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Der Ort, an dem du weilst

Früher warst du bei mir. Heute bist du dort und ich bin hier.
Niemand weiß wo genau das ist. Es hat alles verändert und doch blieb alles gleich.
Die Sekunde vor des letzten Atemzuges und die Sekunde darauf.
Was einst war warm, wurd‘ sehr schnell kalt. Und bevor es zu spät ward, musst‘ ich bereits gehen.

 

Nie mehr dein Gesicht küssen. Nie mehr über deine Stirn fahren. Nie mehr in deine Augen sehen. Nie mehr deine Stimme hören. Nie mehr dein Lachen. Nie mehr dein Fluchen. Dein Schimpfen.

 

Sag mir doch bitte noch ein einziges mal, dass mein T-Shirt gebügelt werden muss. Dass ich mich um all das hätte früher kümmern müssen. Dass ich selbst Schuld an meinem Chaos bin. Und frag‘ mich, wie ich schon wieder mein Handy hab verlieren können. Bitte schwing doch noch einmal die große Rede. Was würd‘ ich für geben.

 

All das Glück, all das Leid, alles war geteilt. Von dir zu mir und von dort wieder zurück. Selbst die Stille war besonders. Die bloße Anwesenheit heilte allen Kummer. Die Nähe, selbst wenn wir fern waren. Das Band, das über allem stand. Es ist noch da, und doch ist es weg.

 

Ich frage dich nach Zeichen, aber du gestattest sie nicht. Dann manchmal sehe oder höre ich dich. Ganz plötzlich, ohne Vorwarnung, da bist du einfach da. Doch wenn ich nach dir rufe, frisst mich die Stille wieder auf. Fremde Menschen blicken in meine Augen und wieder hab‘ ich dich verloren.

 

All die Träume, sie sind mir ein Rätsel. Eine Brücke ins Jenseits. Eine Brücke zu mir. Oder doch zu dir. Es herauszufinden lässt du nicht zu. Schickst mich raus, raus in die wahre Welt. Ich weiß, ich habe es versprochen. Ich werde es nicht brechen, da hast du mein Wort. Doch diese Suche, wer konnte sie erahnen.

 

Keine Tränen. Keine Wut. Keine Verzweiflung. Leer. Das ist alles, womit ich dienen kann. Mein Gehirn und die Information, sie wollen nicht korrespondieren. Sag es mir. Sag es mir. Doch nichts kommt an. Du bist weg, du bist hier, sag mir doch endlich, wo ist dieser Ort. Ich will ihn finden. Lass mich dort weilen. Und wenn ich dich nicht sehen oder sprechen darf, dann wenigstens doch spüren. Einmal in deinen Armen liegen. Oder auch nur neben dir und deine Nähe fühlen. Das Band. Bitte hilf mir doch es wieder zu finden. 

 

Doch undankbar, das will ich nicht sein. Du siehst mehr als ich. Mein Vertrauen gehört allein dir. Ich habe die Vergangenheit und sie halt‘ ich fest. Währenddessen versuche du zu ziehen. Es wird der Tag schon kommen. Wir werden uns wieder in die Arme schließen. Ich werde dich finden Mama. Egal wo du bist, warte dort auf mich.

 

Ich liebe dich.
Vergiss‘ mich nicht.

 

Diese Zeilen wurden auf Grund der Aktion „Alle reden über Trauer“ verfasst. Ziel der Aktion ist es aus der ewig stillen Trauer endlich eine laute Trauer zu machen. Trauer muss sich nicht verstecken

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1 Comment

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    Alle reden über Trauer 2017 - In lauter Trauer
    27. Februar 2017 at 8:12

    […] Der Ort, an dem du weilst Früher warst du bei mir. Heute bist du dort und ich bin hier. (Jasmin von Mira Mireau) […]

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