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Gedanken zu Träumen, der Liebe und dem Schicksal

Eineinhalb Jahre Auszeit.

Auszeit vom Schreiben. Auszeit vom Blog. Auszeit vom Leben.

Mit 19 war ich das letzte mal für über ein Jahr auf Reise. Das gesamte Studium über sehnte ich mich nach meinem Abschluss, um endlich wieder losziehen zu dürfen. Urlaube, Surfen, dreimonatige Backpacking Trips, nichts konnte die schreckliche Sehnsucht lindern. Als dann endlich nach jahrelangem Warten der lang ersehnte Tag des Aufbruchs spürbar greifbar war, kam unerwartet das Leben dazwischen und ich musste all meine Pläne abbrechen, all die Träume aufs Eis legen. Meinen Gedanken zu dem damaligen Entschluss könnt ihr hier nachlesen.

Da lagen sie nun. Tage. Monate. Jahre. Niemand konnte mir sagen, wie lange sie dort liegen würden. Ich wünschte mir, sie würden für immer dort liegen und gleichzeitig wünschte ich mir, sie endlich leben zu dürfen. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Eine Frage nach der existentiellen Wichtigkeit dieser Träume. Ich realisierte, dass es weit mehr als nur Träume waren. Reisen war mein Leben, all meine Hoffnung für die Zukunft, all meine positiven Erinnerungen der Vergangenheit, gingen Hand in Hand mit meinen Reisen.

In meinem Leben war hingegen alles auf Standby geschaltet. Ich durchlebte die Ruhe vor dem Sturm und versuchte sie so gut es geht zu genießen. Doch ist es überhaupt möglich diese zu genießen, das Ungewisse, die unendlich große Unruhe? Es war als hätte jemand die Zeit angehalten und du versuchest mit all deinen Sinnen den Moment einzufangen, obwohl du weißt, dass die Welt sich bald wieder weiter drehen müsse.

Mein Leben mitsamt meinen Träumen stand im Widerspruch zu meiner größten Liebe.“

Ich also wartete auf den Sturm. Der Sturm, der kommen musste, um mein Leben weiterzuleben, und gleichzeitig der Sturm, den ich niemals erleben wollte. Es zerriss mich. Mein Leben mitsamt meinen Träumen stand im Widerspruch zu meiner größten Liebe. Um mein Leben zu leben, musste diese Liebe zunächst zerstört werden.

Ich also tat, was einzig mir möglich war und versuchte hingegen meine Träume zu zerstören. Ich versuchte die Reise zu vergessen. Ich ignorierte all die Blogeinträge von Reiseblogs, die ich einst so liebte. Ich wollte keine Fotos sehen, keine Geschichten hören, keine Tips zur Auswanderung bekommen, ich wollte es alles vergessen.

Ausflüge in Deutschland, Surfen in Marokko, Roadtrips in Frankreich, Urlaube nach Mallorca oder Sri Lanka. Das Standby Gefühl konnten sie mir allesamt nicht nehmen und zudem stahlen sie mir Zeit, wertvolle Zeit mit der mir wichtigsten Person in meinem Leben. All meine Energie und Liebe sollten nur ihr gewidmet sein. Ihr Glück war mein Glück. Ihr Schicksal das meine. Lieber ein gesamtes Leben auf Standby als einen einzigen Tag nur ohne sie.

Doch die Spielregeln, die entscheide nicht ich, der Sturm, der kam nun. Die Welt dreht sich wieder weiter und sie erscheint mir so still, wie sie es noch nie war. Aus zwei wurde eins. Aus der Standby-Zeit eine bloße Erinnerung. Aus der gemeinsamen Zukunft Geschichte.

Lissabon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier bin ich nun, Menschen fragen mich, wohin ich als nächstes gehe, fragen mich nach Plänen in meinem Leben und ich antworte ihnen, dass ich es nicht wisse. Ich möchte es nicht wissen. Portugal ist nun meine Heimat. Wie lange, das weiß ich nicht. Gedanken die Reise wieder aufzunehmen, die gibt es. Doch Pläne sind, wie ich lernte, zu nichts zu gebrauchen. Sie lassen dich in der Zukunft leben und die Gegenwart vergessen. Die Tage verziehen, die zukünftig schöne Vergangenheit, die ist heute und die geplante Zukunft, die wird es so sicherlich niemals geben.

Verzeih, offenbar deine Gefühle, riskier mal was und hab Spaß.“

Alles was wir im Leben haben, ist der jetzige Moment, alles andere ist bloße Illusion. Es ist nichts Neues, dass ich das predige, und selbstverständlich bin auch ich heimlich weiterhin am planen und träumen, das ist auch in Ordnung so, doch wichtig ist, dass wir jeden Tag versuchen den Moment sinnvoll zu nutzen. Dankbar zu sein. Die Schönheit der Natur begreifen. Andere Menschen zum Lachen bringen. Ihnen unsere Gefühle offenbaren. Ihnen helfen, mit ihnen weinen, mit ihnen kindisch und peinlich sein. Unser cooles image ablegen und mehr an andere als an uns selbst denken.

Schaffe dir freudige Erinnerungen. investiere all deine Liebe in innige Beziehungen. Verzeih, offenbar deine Gefühle, riskier mal was und hab Spaß. Nicht morgen oder übermorgen, nicht nachher, sondern jetzt in diesem Moment. Nutze ihn. Nicht ja ja, mach’s wirklich!

Das mag nun alles etwas cheesy klingen, aber fragst du dich nicht auch manchmal wo die Zeit geblieben ist, denkst an die guten alten Tage zurück oder lebst in der Zukunft, in der alles anders wird?

 

 

Danke an alle Leser für die Unterstützung, die lieben Worte und den Fakt, dass ihr auch nach eineinhalb Jahren Ruhe immer noch da seid. <3

*Geschrieben aus meinem Bett in Portugal. Gedanken, zeitnah von Portugal zu berichten und wieder regelmäßig zu Schreiben fühlen sich gerade schön an, ob ich sie umsetzen werde, das kann ich nicht versprechen. Doch wenn dem so sei, dann freue ich mich auf euch.*

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