Gedanken

Sehnsucht nach Freiheit

Ich spreche nicht von Wegrennen, sich drücken oder verstecken.. Nein. Frei sein, das ist es, wovon ich spreche. Ich ging also auf die Suche nach Freiheit.

 

Immer wieder spreche ich von ihr, der Freiheit.
Was hast du nach der Uni vor? 
– Frei sein.
Was sind deine Vorsätze für 2015?
– Frei sein.
Was gefällt dir am Reisen?
– Frei sein.

 

Was aber meine ich mit diesem „Frei“? Wieso bin ich daheim nicht frei, aber auf Reisen?

 

Habe ich nicht auch daheim alle Freiheiten dieser Welt? Ich habe die freie Wahl mit meinem Leben das zu machen, was mir gefällt. Ich kann fast alles studieren, was ich möchte. Kann fast jedem Beruf nachgehen. In fast jedem Land wohnen. Mich mit fast allen Menschen umgeben. Fast alles essen. Fast alles sehen. Unternehmen. Erfahren. Leben. Die Türen stehen mir doch alle offen! Und auch das Wörtchen „Fast“, ist es nicht, was sie verschließt. Aber was ist es denn nun?

 

Ich liebe mein Studium. Meine Wohnung. Meine Familie. Meine Freunde. Meine Umgebung. Und trotz alledem quälte ich mich ganze drei lange Jahre auf der Wartebank. Drei Jahre lang der sehnliche Wunsch endlich wieder frei sein zu dürfen. Drei Jahre lang gefangen in Sehnsucht. Keine 2, keine 4, 8 und auch keine 12 Wochen Reisen konnten gar irgendwie helfen. Wurde die Sehnsucht nach Freiheit doch trotzdem stets größer und größer.

 

Und nun, nun ist er sehr bald da, der voll Sehnsucht erwartete Moment, und ich frage mich tatsächlich, was war es eigentlich, auf was ich all die Jahre wartete? 

 

Was ist Freiheit??

 

Ich möchte mein Backpack aufsetzen. Losziehen. Auf ins Unbekannte. Ganz allein. Voll von Angst. Und großer Aufregung. Ich möchte morgens aufwachen und Neues sehen, entdecken, vor allem erleben. Neue Menschen. Fremde Menschen. Zu Freunden werden lassen und diese nur schweren Herzens wieder gehen lassen. Ich möchte in der Natur sein. Im Freien schlafen. Berge besteigen. Wellen reiten. Verlassene Wüsten erobern und die vergessene Schönheit unseres Planeten erproben. Ich möchte keine Pläne haben. Keinen Alltag. Keine Routine. Sondern Mensch sein und in der Gegenwart leben. Vor allem bewusst. Und am Besten auch noch glücklich.

 

Der beste Moment meines Lebens war immer noch jener im Outback Australiens. Als die ganze Menschheit mir so fern schien. Und ich ganz alleine war. Alleine mit dem Fremden und der Schönheit der Natur. Als ich es schaffte mit vollkommenem Bewusstsein in der Gegenwart anzukommen und von Grund auf zufrieden und dankbar für den Moment zu sein. Das ist es, was ich Freiheit nenne.

 

Die Möglichkeit zu haben, den Moment zu leben und vor allem zu lieben.

 

Der ein oder andere mag das auch daheim können. Für die erste Woche nach Heimkehr klappt das bei mir auch noch ganz gut, aber sehr schnell ist es vorbei und nichtige Probleme kreuzen wieder meine Gedanken. Unistress. Verspätete Bahnen. Zu kalter Winter. Zu dunkel. Zu heiß. Kein Urlaub. Doofer Chef. Zu kurzer Sommer. Zu Teure Miete. Zu viel Stress. Zu viele schlecht gelaunte Menschen. Nichtige Probleme. Zu viel Gerede ums Geld. Um Karriere. Um Ware. Den Lebenslauf. Die Noten. Die Praktika. Den Job. Schluss damit. Das bin ich nicht. Ganz und gar nicht. Und wer das einmal weiß, der wird’s für immer wissen.

 

Wann warst du das letzte mal in einem Moment deines Lebens, an dem du nicht einmal annähernd wusstest, wie die nächsten Jahre, Monate oder sogar Tage aussehen würden? 
Wann warst du das letzte mal so richtig frei von Plänen und konntest tun und lassen, was du möchtest und vor allem solange du möchtest?
So komplett ohne Limit?
Ohne Plan?
Ohne Idee?
Einfach voll und ganz im Hier und Jetzt?

 

Bei mir ist es drei Jahre her und selbst damals wusste ich, dass ich irgendwann studieren werde. Jetzt weiß ich gar nichts. Ich habe keinen Plan. Keine Träume für die Zukunft. Klar tausend mögliche Ideen. Aber was letztendlich passiert, ich weiß es nicht einmal im geringsten. Und das ist das schönste Geschenk, das ich je erfahren durfte, und genau das bedeutet für mich Freiheit.

 

Manch einer nennt es Wegrennen. Ich nenn es lieber zu mir selbst rennen. 
Und wenn ich bei mir angekommen bin, wer weiß, vielleicht komm ich ja dann irgendwann mit mir selbst wieder zurück.

 

In diesem Sinne auf die Freiheit, meine, deine unsere alle!

 

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3 Comments

  • Reply
    Claudi
    12. April 2015 at 12:15

    Endlich, da ist er. Der Text der mir alle meine Gedanken, alles von meinem Herz abliest.

    • Reply
      Jasmin
      14. April 2015 at 14:14

      Oh und du glaubst nicht wie sehr mich das freut!

  • Reply
    Jasmin
    9. Januar 2017 at 7:53

    Super Text, hätte man nicht besser schreiben können !!

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