Gedanken

DU KANNST DIE WELT NICHT BEREISEN, WEIL DU NICHT SO VIEL GELD HAST?

Ich glaube das ist ungelogen der häufigst gehörte Satz wenn ich von meinen Reisen berichte.

Ich würde auch gerne mal für längere Zeit reisen, aber ich habe leider nicht genug Geld, um meinen Traum in Erfüllung zu bringen..

 

Sobald ich diesen Satz höre, würde ich die Person am liebsten am Körper packen und ganz kräftig durchschütteln bis all die blöden Gedanken aus ihrem Kopf heraus fallen. Dieser Satz macht mich sauer und traurig, denn er ist schlicht und weg gelogen! Zumindest von den Menschen, von denen ich ihn immer zu hören bekomme. Denn das sind meist, diejenigen, die mit ihrem Vermögen sehr wahrscheinlich problemlos ihr ganzes Leben lang reisen könnten.

Ich zum Beispiel bin nicht reich und einen Sugar Daddy besitze ich auch nicht. Ich bin Studentin und halte mich mit kleinen Nebenjobs über Wasser. Trotzdem schaffe ich es die Welt zu bereisen. Aber ich muss dazu sagen, dass ich weder ein tolles Smartphone, einen modernen Laptop, Fernseher oder ein Auto besitze, noch teuer Essen, Trinken oder Shoppen gehe. Denn dafür fehlt MIR das Geld und ich verstehe nicht woher du es nimmst, wenn du dich stets beklagst endlich Reisen gehen zu wollen.

Natürlich ist nichts umsonst und für einen Flug, sofern du weit weg möchtest, muss auch erst gespart werden. Aber hey, wenn du einfach mal ein paar sinnlose Gegenstände aus deinem Leben verkaufen würdest, dann klappt das ganz schnell..und du wirst sehen, dass sogar das Loswerden dieser Gegenstände, seien es Möbel, Elektrogeräte oder Kleider, wirklich unheimlich befreiend sein kann.

Denn zum glücklich sein brauchst du nichts als dich selbst, die Natur und nette Bekanntschaften.

Also bevor du mir mit deinem neuestem Smartphone in der Hand und in teuren Marken gekleidet mal wieder erzählen möchtest, wie gerne du auch so reisen gehen möchtest wie ich und wie sehr du mich beneidest, aber dass dir ja leider das Geld dafür fehle, überdenke bitte zunächst einmal deine Prinzipien im Leben.

Ich habe viele Freunde, die ihr Geld nicht für das Reisen ausgeben wollen und lieber ihren Lifestyle, so wie er ist, weiter führen möchten. Das freut mich von ihnen zu hören, auch wenn es mein Leben nicht erfüllen würde, macht es sie verdammt glücklich und das ist alles, worauf es ankommt.

Lebe das Leben, das dich glücklich macht und beklage dich nicht ein anderes Leben führen zu wollen ohne etwas dafür zu machen.

Denn was passiert, wenn ich diesen Menschen sage:

„Dann änder doch einfach dein Leben, wenn du es so schrecklich findest“?

Sie verhaspeln sich in ihren eigenen Ausreden, werden nervös und liefern mir einen sinnloseren Grund nach dem anderen, warum sie das nicht können. Warum ich dieses Leben führen kann und sie nicht. Immerhin bin ich jung, über 30 ist das nämlich schon unmöglich. Selbstverständlich. Sie reden so lange bis ich ihnen zustimme und ihnen Recht gebe und sage, dass sie mir wirklich leid tun und ich es vollkommen nachvollziehen kann, warum sie diesen stressigen Job weiter ausführen, weiter in der Stadt leben müssen, die sie zutiefst unglücklich macht, sie sich teure Sachen anschaffen müssen, die sie nicht einmal zu Gesicht bekommen, da sie Tag für Tag von morgens bis abends am Arbeiten sind, um dann irgendwann glücklich in die Rente zu gehen und sagen zu können:

„Hey, ich habe verpasst mein Leben zu leben“.

Gratulation. Da stimme ich doch gerne zu.
Natürlich gibt es Ausnahmen und ich spreche hier nur einen bestimmten Kreis von Menschen an, das ist mir bewusst. Es gibt schließlich auch Menschen, die wegen Krankheit, blöden Gesetzen oder aber auch wegen der Familie nicht reisen können. Das macht mich stets traurig, aber dadurch wird mir auch immer wieder bewusst, wie dankbar ich für mein Leben und Möglichkeiten sein kann.

 

Um euch mal ein Bild davon zu geben, wie ihr ohne viel Geld die Welt sehen könnt, stelle euch nun meine vier besten Reisemöglichkeiten vor:

 

1. Der Aussteiger

Der Klassiker und mein größter Traum, doch dazu fehlt mir momentan der Mut. Beziehungsweise möchte ich das nicht alleine durchziehen, denn wie man an Christopher McCandless sehen kann, wird man in dieser Welt nur glücklich, wenn man sein Glück auch teilen kann. 

Der Aussteiger sagt der gesamten Gesellschaft Adé und begibt sich auf eine Reise fern von Geld, Jobs, Hostels und sämtlichen Luxusgütern. Er lebt in der Natur, von der Natur und vor allem im Einklang mit der Natur. Er schläft unter freiem Sternenhimmel, ernährt sich von gejagten Tieren oder gesammelten Pflanzen und kommt an einem Punkt an, an dem er seinen Ursprung auf diesem Planeten begreift.

Spätestens seit ich den Film Into the wild gesehen habe, ist es mein größter Wunsch für eine gewisse Zeit, und seien es nur wenige Wochen, solch ein Leben zu führen. Allerdings fehlt noch der Mut meine Worte in Tate umzusetzen, aber wer weiß vielleicht schaffe ich es ja doch noch eines Tages, schließlich stehen mir noch einige aufregende, abenteuerliche Zeiten bevor!

 

 

2. Der Tauscher

Kennst du die Geschichte des Mannes, der für eine schlichte Büroklammer ein ganzes Haus bekam? Nein? Dann schau dir mal das folgende Video an. Alles ist möglich in dieser Welt, wenn du nur willst..

kyle-macdonald tauschste eine Büroklammer gegen ein Haus

Natürlich benötigt man für solch eine Geschichte wahnsinnig viel Glück und es wäre naiv zu behaupten, dass dies eine Option für Jedermann sei, um für längere Zeit reisen gehen zu können! Was sie jedoch zeigt, ist die Tatsache, dass das Leben nicht voraussehbar ist, dass alles offen ist und man sich auch manchmal einfach nur trauen muss andere Wege zu gehen.

Wege, über die andere sagen, dass sie unmöglich sind, bis du sie erfolgreich gegangen bist!

Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder ehrgeizige, selbstbewusste Mensch in der Lage ist, zu seinem persönlichen Glück zu gelangen, wenn ihm dieses Glück das Leben bedeutet.

Wer sich mit vollem Herzen sehnlichst ein Leben auf Reisen wünscht, für den gibt es einen Weg zur Erfüllung seines Traumes!

 

3. Der Work and Traveller

Natürlich kannst du auch einfach Arbeit und Reise verbinden. Sei es weil du mit deinem Laptop arbeiten kannst oder weil du immer wieder Jobs an verschiedenen Orten ausführst. Leider geht letzteres nicht in jedem Land und gilt auch nicht für jeden Staatsbürger. Ich habe bisher nur in Australien gearbeitet. Immer wieder ein paar Monate hier ein paar Monate dort. Ich blieb solange es mir eben gefiel und solange ich glücklich war. Sobald sich das änderte, kündigte ich sofort und reiste weiter. Neben Jobs, für die du Geld erhälst, kannst du auch Freiwilligenarbeit leisten, für die man oft Unterkunft und Mahlzeiten bekommt. Das ist so gut wie überall möglich. Über Hilfe freut sich schließlich jeder.

Wer dringend Geld braucht und bereit ist dafür hart zu arbeiten, wird auch im Ausland überleben!

 

 

 

4. Der „Schnorrer“

Es gibt Reisende ohne Geld, die darauf hoffen von anderen in ihr zu Hause eingeladen und versorgt zu werden. Sie fahren per Anhalter, fragen nach Essen und schlafen bei Fremden. Sie steigen aus der Gesellschaft aus und leben auf der anderen Seite auf deren Kosten. Die einen halten das für großartig, die anderen für dreist und unverschämt. Bei solchen Extremfällen, wenn Reisende die Gastfreundlichkeit von anderen, vor allem von armen Menschen ausnutzen, schließe ich mich der zweiten Haltung an.

Auch dir kann es passieren, dass du auf sehr arme Menschen triffst und fasziniert feststellen musst, dass sie dir am Meisten zu geben versuchen. Gastfreundlichkeit bedeutet für sie alles. Sie würden dir lieber ihr letztes Brot der Woche schenken als sich selbst und ihre fünf Kinder damit zu versorgen. Das ist bemerkenswert und lässt einen darüber nachdenken, wie seltsam die Welt aufgebaut ist. Die, die am Meisten besitzen, geben oft am Wenigsten und andersrum. Im Gegensatz zu diesen Menschen bist auch du „armer Backpacker“ eine sehr wohlhabende Person.

Du kannst ihre Gastfreundlichkeit gerne aus Höflichkeit annehmen, aber nutze sie bitte nicht aus. Auch wenn du vielleicht kaum noch Bargeld besitzt, das was du dabei hast, ist wahrscheinlich mehr, als sie je besitzen werden. Deshalb tu der Welt einen gefallen und spare bitte nicht am falschen Ende! Bringe Gastgeschenke für die Eltern und die Kinder mit. Essen, Zigaretten, Spielzeug, Kleidung oder gib ihnen, falls du nichts anderes organisieren konntest, Geld als Dankeschön. Sie werden zunächst Nein sagen, es dann allerdings gerne und dankend annehmen, glaub mir.

In wohlhabenden Ländern sieht das System vom „Schnorren“ allerdings wieder vollkommen anders aus. Es gibt viele Menschen, die viel Geld haben, sich jedoch unheimlich einsam fühlen, was der Besitz von zu viel Geld eben mit einem macht. Meist brauchen sie einfach nur Geselligkeit, um wieder Leben und Glück spüren zu können. Einen Fremden, dem sie Dinge erzählen können, die sie sonst keinem ihrer Freunde oder Familie anvertrauen können.

Das passiert besonders häufig beim per Anhalter fahren. Du wirst staunen, was ich für Geschichten von ihnen gehört habe. Ich musste nichts machen als schweigen und zu hören und wenn sie mich aussteigen ließen, bedankten sie sich freudestrahlend für das ausgezeichnet gute Gespräch. Andere Menschen möchten aber auch einfach nur Geschichten eines Weltenbummlers hören. Geschichten aus der Welt, während sie in ihrem Arbeitsalltag gefangen sind. Sie hören dir gespannt zu und möchten am liebsten dein komplettes Leben auf dieser Fahrt von dir erzählt bekommen. Immer wieder schreien sie auf Nein Echt? Da warst du? Wow! Und dann??? oder Waaas, das hätte ich mich nie getraut! oder aber Alleine??? Das muss ich gleich meinem Mann erzählen, absolut beeindruckend!

Ich denke ich kann mit Recht behaupten, dass ich niemals so viel über meine Abenteuer gesprochen habe, wie beim per Anhalter fahren und auch, dass ich niemals so gespannte Zuhörer getroffen habe.

Meiner Ansicht nach ist dies ein schönes Beispiel vom Geben und Nehmen. Wenn diese Menschen dich bei ihnen im Auto mitfahren lassen oder zu sich nach Hause einladen, dann freuen sie sich wirklich dich bei ihnen zu haben.

Auch reiste ich eine Zeit lang mit einer sehr wohlhabenden Backpackerin, die nur wegen mir und meines geringen Budgets in den dreckigsten und ekelerregendsten Zimmern übernachtete, obwohl sie sich jeden Tag ein schönes, sauberes Hotelbett hätte leisten können. Das tat sie mir zu Liebe. Manchmal wollte sie Dinge unternehmen, für die ich nicht genügend Geld hatte. Große Touristenattraktionen, die unheimlich Spaß machen, aber eigentlich nur Abzocke sind. Ihr war das egal, sie wollte das machen und zwar nicht allein, sondern mit mir. Also kaufte sie einfach jedes mal zwei Tickets und bestand darauf, dass ich mitkommen müsse, da sie ja schließlich schon bezahlt habe. So schlecht ich mich dabei auch fühlte, im Nachhinein denke ich mir, war auch das kein Schnorren, denn auch wenn ich ihr niemals etwas ähnliches zurück geben kann, war sie mir sehr dankbar ihre Erlebnisse mit mir teilen zu dürfen.

Für mich sind all diese zuletzt genannten Beispiele ein Zeichen dafür, wie schön die Welt sein kann, wenn sich zwei Menschen per Zufall auf einem Fleckchen dieses Planeten treffen und sich mit simplen Dingen gegenseitig so glücklich machen können, sich so perfekt ergänzen. Einfach wunderschön. Wenn mir solche Menschen etwas geben möchten, sei es Hilfe, eine Autofahrt, ein warmes Bett, Essen, Zugtickets, was auch immer, dann dürfen sie das. Sie macht es glücklich, mich macht es glücklich, was ist also falsch daran? Es ist in Ordnung Hilfe anzunehmen und auch mal auf Kosten anderer zu leben.

Irgendwann in diesem Leben wirst du die Chance erhalten anderen Menschen das gleiche zurückzugeben.

Nutze dann diese Chance und denke daran wie glücklich du über jegliche Hilfe warst und welch nette und großzügige Menschen für dich da waren. Unsere Welt besteht aus Geben und Nehmen. Wenn sich alle daran halten, können wir ein friedliches Leben führen und uns gegenseitig zu mehr Glückseligkeit verhelfen. Das wäre wunderbar. Leiste also auch du deinen Beitrag auf diesem Weg.

 

 

 

4. Der Sparfuchs

Die wohl gängigste Methode: Sparen! 

Je wichtiger dir dein Traum vom Reisen ist, desto schneller wirst du auch dein Geld zusammen bekommen. Bei jedem frühen Aufstehen, bei jedem nervigem Kunden, jeder ungerechtfertigten Kritik deines unausgeglichenen Chefs, jedem verpassten Sonnentag, verpassten Kaufes der angesagtesten Sneaker, der coolen Jacke, des neuesten Smartphones, Autos, Möbelstücks wirst du stets im Hinterkopf haben, dass du das alles nur aus einem einzigen Grund machst: Um endlich dein unbeschwertes, wunderbares Abenteuer im Paradies führen zu können! Um Barfuß am Strand spazieren gehen zu können, Vulkane zu besichtigen, Wüstenlandschaften, Gletscher, Wälder, Seen, Berge. Um zu Surfen, neues Essen zu testen, neue Bekanntschaften zu machen, neue Freundschaften zu schließen. Um Wilde Tiere zu beobachten, Elefanten, Giraffen, Zebras, Löwen, Delfine, Kängurus, Koalas..Für all das, nimmst du deine Einbußen gerne in Kauf.

Dem Sparfuchs ist all dies weitaus wichtiger als sämtliche Luxusgüter und preiswerte Aktivitäten in seiner Heimat. Er spart und steckt ein, um dann anschließend seinen Traum leben zu können!

 

 

 

Was meinst du dazu? Ist Reisen wirklich nur eine Frage des Geldes oder eine Frage der Einstellung?

 

Wenn du Lust auf weitere Geschichten rund ums Surfen und Backpacking fernab der gewöhnlichen Touristenroute hast, dann folge Mira Mireau auf FacebookGoogle+ oder Twitter. Lass uns Freunde sein! 

copyright Jasmin Böhm

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6 Comments

  • Reply
    Oliver Zwahlen
    10. März 2014 at 1:17

    Hey Mira,

    du hast da einen tollen Blog aufgebaut mit interessanten Gedanken. Schön, dass ich darauf gestossen bin. Zum Artikel hier: Ich teile deine Meinung im Wesentlichen, allerdings bin ich beim Punkt 4 nicht so ganz einverstanden. Das System von Geben und Nehmen funktioniert doch nur, wenn sich die Mehrheit der Menschen an die Spielregeln hält. Sehr deutlich wird das bei Dingen wie Couchsurfing: Wenn plötzlich alle nur noch surfen wollen und keiner mehr ein Bett anbietet, wäre die schöne Idee sehr schnell gestorben. Der Verweis, das man mit seiner Anwesenheit und der Unterhaltung gleichsam „zahlt“, klingt – so finde ich – doch ein bisschen nach eine Rechtfertigung um weiter schnorren zu können.

    Gruss,
    Oli

  • Reply
    Mira Mireau
    10. März 2014 at 12:25

    Hallo Oli,

    vielen Dank für deine Meinung!
    Um beim Thema Couchsurfen zu bleiben, ich persönlich surfe und biete auch häufig ein Bett, wenn ich mal nicht am Reisen bin. Sofern das alle machen, also sich an die Spielregeln halten, klappt das gut. Das war dein Punkt. Zumindest habe ich ihn so verstanden. Allerdings traf ich auch auf Menschen beim Couchsurfen, die nie surfen, aber Tag für Tag andere Couchsurfer bei sich schlafen lassen. Genau so traf ich Menschen, die nur surfen. Das klappt dann in meinen Augen auch wieder gut, sofern denn die Anzahl überein stimmt, worüber ich keine Aussage treffen kann.
    Vielleicht sollte ich in meinem Bericht noch erwähnen, dass ich es nicht für möglich halte den Punkt 4 ausschließlich zu vollziehen, sondern in Kombination mit einem der anderen Punkte. Denn ein Fan von sich jemandem aufzuzwingen bin ich auch nicht. Ich wollte eher darauf hinaus, dass es viele Menschen gibt, wie eben die Couchsurfer, die nur hosten und sich freuen einen Reisenden bei sich zu haben. Wenn es also ihr Wunsch ist, dich in ihrem Auto mitzunehmen, dich zum Essen einzuladen, dir Zugtickets schenken, um dir das Reisen einfacher zu machen oder dir ein warmes Bett zu geben, dann gibt man in dem Moment, in dem man dieses Angebot annimmt und ihnen Freude zeigt. Manche Menschen geben einfach unheimlich gerne und dann sollte man das auch ohne Zweifel annehmen. Ich bin auf Reisen sehr oft auf solche Menschen gestoßen und anderen Reisenden, die ich traf, ging es da ähnlich. Vor allem achte ich nun auch wenn ich nicht unterwegs bin, vermehrt darauf Reisenden zu helfen, sie zu mir einzuladen, ihnen die Stadt zu zeigen, sie an der Straße mitzunehmen und und und..dann freut es mich ihnen zu helfen, ohne dass ich in diesem Sinne etwas dafür bekomme, ihre Freude reicht da vollkommen aus.

    Liebe Grüße
    Jasmin

    • Reply
      Oliver Zwahlen
      11. März 2014 at 22:50

      Hi Mira,

      das ist ein sehr schwieriges Thema. Ich habe einmal in einem Blog ein Interview mit einem Mann gelesen, der stolz verkündete, dass er mit 100 Dollar pro Monat um die Welt reist. Wohlverstanden seit Jahren! Und dies will er auf die gleiche Weise weiterhin tun, schliesslich habe er sich vom System und vom Geld losgelöst. Auf die Frage, wie er sich seine Rente vorstellte, meinte er: Im Notfall gibts ja noch die Sozialhilfe! Gut, das ist nun ein Extremfall, aber etwas abgeschwächt gibt es doch eine Menge von Billigreisenden die ähnlich ticken.

      Das Problem ist doch, dass du gerade in armen und preiswerten Ländern viele Leute findest, die bereit sind, ihr letztes Hemd mit einem Gast zu teilen, die lieber selber hungern als einen Gast hungern lassen. Ist es richtig, diesen armen Menschen etwas wegzufressen, nur weil man selber zu faul zum arbeiten ist? Ist es da nicht sogar etwas pervers zu sagen: Aber ich gebe ihnen mit meiner Freundschaft ja auch etwas! Der eingangs erwähnte Mann ist mit einem derartigen Budget ganz bestimmt nicht in der Lage, seinen Gastgebern ein Geschenk mitzubringen, er ist auch ganz sicher nicht in der Lage beim Reisen als Anhalter seinen Fahrern im der Autobahnraststätte ein Getränk zu kaufen. Vielmehr wird er sich wohl noch von seinen Fahrern zum Essen einladen lassen. Und vermutlich wird er auch nie in der Lage sein, anderen Reisenden etwas zurückzugeben.

      Versteh mich bitte nicht falsch. Ich werfe Dir nichts vor und gerade das, was du auf meinen Kommentar schriebst, finde ich sehr vernünftig. Ich fürchte nur, dass man dein Punkt 4 eben auf diese Weise missverstehen kann, wie es der eingangs erwähnte Mann tut. Dem wollte ich etwas entgegensetzen… :)

      Gruss,
      Oli

    • Reply
      Mira Mireau
      11. März 2014 at 23:43

      Hallo Oli,

      ich denke, dass ich meinen letzten Punkt unbedingt nochmal etwas ändern muss. Meine Meinung ist und war auch vor meinem Bericht die gleiche oder zumindest ähnliche wie deine. Ich habe auch von einem Mann gehört, der aus der Gesellschaft aussteigen wollte und nun von einem reichen Ehepaar in ihr Haus eingeladen wurde, wo er seitdem wohnt und isst und das umsonst natürlich. Das macht für mich keinen Sinn. Genau so wenig wie der von dir beschriebene Mann, der im Notfall von Sozialhilfe leben möchte.
      Ich heiße das ganz und gar nicht für gut und verstehe vollkommen deine Kritik, dass man meinen Punkt sehr leicht missverstehen kann.
      Ich habe auf meiner Reise zum Einen sehr reiche Backpacker getroffen, die Dinge unternehmen wollten für die ich kein Geld hatte und wurde in Australien und Neuseeland immer wieder beim per Anhalter fahren von wohlhabenden Menschen in ihr Zuhause eingeladen.
      Meine erste Reaktion war immer aus Höflichkeit und auch weil ich mich unwohl fühlte, alles abzulehnen. Bis mir mehrere von ihnen erklärten, dass es ihnen wirklich große Freude bereiten würde und seitdem denke ich, dass es manchmal durchaus in Ordnung ist, diese Hilfe anzunehmen, da man ihnen scheinbar etwas zurückgibt, was sie ebenfalls sehr glücklich macht. Genau wie die Couchsurfer, die nie surfen, sondern lediglich hosten, weil ihnen das besser gefällt.
      Dabei habe ich jedoch nicht bedacht, dass nicht jeder Reisende „das Nehmen“ lernen muss und sehe ein, dass mein Text sehr leicht falsch gelesen werden kann.
      In armen Ländern kommt es in der Tat immer wieder vor, dass gerade die, die am Wenigsten besitzen, am Meisten geben möchten. Das ist mir auch oft aufgefallen und so faszinierend ich dies finde, meist sehr unangenehm. Ich bin der Meinung, wenn man etwas von diesen wirklich armen Menschen annimmt, weil es oft unhöflich ist dies nicht zu tun, sollte man unbedingt mehr als nur seine interessanten Geschichten zurück geben.
      Ich habe noch nie Reisende getroffen, denen das nicht klar war und die das nicht gemacht hätten, also die sogenannten „Billigreisenden“ von denen du gesprochen hast. Wirklich schade, dass dies überhaupt erwähnt werden muss.

      Ich danke dir wirklich sehr für deine Kritik, schließlich möchte ich meine Leser nicht in eine für mich „falsche Richtung“ führen!

      Liebste Grüße,
      Jasmin

  • Reply
    Gabi Reichert
    14. März 2014 at 11:48

    Hi Mira,

    also – ich finde, Du hast den vierten Punkt gut beschrieben. ich kann Deine Argumentation sehr gut nachvollziehen und sehe in der Argumentation keinen Kritikpunk: AUSSER der Überschrift. Sobald man das Wort „Schnorren“ liest, schaut man sehr kritsch auf den ganzen Text. Die Überschrift löst bei mir diesen Widerstand aus, der eigentlich nicht da sein müsste.
    Auch der „Schnorrer“ den Oli beschreibt finde ich nicht weiter schlimm. Wahrscheinlich wird der im Laufe seiner Reisen wachsen, sehen, wie es funktioniert, einfach durch Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass sich bei solchen Menschen irgendwann etwas bewegt und wenn nicht, dann halt nicht. Das wird im Gleichgewicht der Welt schon irgendwie gerichtet.
    Ich denke, man kann Menschen mit Besuchen glücklich machen! Wir mögen das in unseren Phasen zwischen den Reisen auch sehr gern, wenn uns Reisende besuchen – das ist so eine Art „Urlaub daheim“. Wir verwöhnen unsere Besucher dann meist mit einer richtigen Waschmaschine und einem sauberen Bad – kein wirlicher Luxus, nicht wirklich teuer, aber unglaublich wertvoll für Leute unterwegs.

    Also, mir gefällt Dein Blogbeitrag richtig gut!
    liebe Grüße

    Gabi

    • Reply
      Mira Mireau
      14. März 2014 at 16:10

      Hallo Gabi,

      genau das war mein Ziel mit der Überschrift des vierten Punktes: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema zu fördern.
      Ich selbst sehe es wie gesagt auch auch nicht als „Schnorren“ an, möchte aber das Menschen darüber nachdenken, ob sie es als solches empfinden oder nicht. Ich kann nicht sagen, was richtig oder falsch ist, das kann niemand. Ich kann mir allerdings Gedanken über ein Thema machen und verschiedene Argumente gegeneinander abwägen, um schließlich zu einem für mich „richtigen“ Ergebnis zu kommen. Das möchte ich mit meinem 4. Punkt auch bei anderen Menschen erreichen, dass sie über ihre und andere Meinungen nachdenken.
      Wie ich erfreulich feststellen kann, ist mir das gelungen! :)

      Besonders schön finde ich deine Formulierung „das ist so eine Art Urlaub daheim“. Genau so empfinde ich es auch immer, wenn ich Couchsurfer bei mir zu Gast habe. Man fühlt sich gleich als sei man selbst auf Reisen.

      Vielen Dank für dein Feedback!

      Liebste Grüße

      Jasmin

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