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Ist eine Reise nach Indien sicher für Frauen?

Ein Einblick in meine persönlichen Erfahrungen mit Männern in Indien.

Bollywood. Bunte Kleider. Kühe. Menschenmassen. Tempel. Yoga. Hippies.
Das war alles, was ich vor meiner Reise nach Indien mit dem Land in Verbindung bringen konnte und habe mich wahnsinnig auf die neuen Erfahrungen gefreut.
Meine Erwartungen haben sich auch alle allesamt bestätigt, ist Indien doch genau wie erwartet ein buntes, lautes und interessantes Land und doch hat sich mein Bild von Indien leider trotzdem sehr verändert. In diesem Bericht möchte ich hauptsächlich auf meine Erfahrungen mit den Gefahren, die auf mich als allein reisende Frau lauerten, eingehen.

Der wichtigste Tipp gleich vorweg: Traue niemandem!

Zumindest wenn du dir nicht absolut sicher bist, dass du dich garantiert in keine unangenehme Situation bringen könntest. Das klingt jetzt erstmal traurig, aber das ist es auch..Ich war schon vieles von meinen vorherigen Reisen gewohnt und auf die Armut, die Menschenmassen, den Lärm und den Dreck mental vorbereitet, aber auf solch ein verkehrtes Frauenbild war ich nicht eingestellt.

Zu der Zeit als ich in Indien war (2012) gab es noch nicht so viele öffentliche Diskussionen über Massenvergewaltigungen und Frauenverachtung und daher war ich geschockt und irritiert zu gleich als ich meine ersten negativen Erfahrungen machen musste. Heute wird jede Frau, die nach Indien möchte, sofort zu diesen Themen von Freunden und Verwandten befragt, womöglich sogar versucht sie von ihrer Reise abzuhalten. Das mag zwar nervig sein, basiert ihre Haltung doch ausschließlich auf Vorurteilen, aber es hat etwas Gutes, es führt dazu, dass du dich mit dem Thema auseinandersetzt und vorbereitest.

Dass ich mit meinen hellen Haaren und meiner Hautfarbe die Aufmerksamkeit auf mich zog, war mir schon aus Südostasien bekannt. Doch es kamen keine netten Asiaten zu mir und fragten mich wie kleine Teenie Fan girls, ob sie ein Foto mit mir machen dürfen. Nein, es wurde einfach konsequent über mehrere Stunden lang gestarrt und das auf eine unangenehme, perverse Art und Weise. Das mag zunächst nicht schlimm klingen, aber nach zehn Stunden in einem Reisebus mit ungefähr 50 Indern unmittelbar um mich herum, und ich spreche hier von einer Entfernung von ungefähr einem Zentimeter, wurde es doch schon sehr bald ungemütlich und beinahe unerträglich. Klar, man kennt es auch aus anderen Ländern, wir Touristen sehen nunmal anders aus und wecken die Neugierde der Einheimischen, was ja andersherum auch nicht anders ist, aber der fehlende Körperabstand machte den Unterschied.

Ich saß also weiter hinten in einem Bus, hatte meine Haare mit einem Tuch abgedeckt und hatte weite, lange Kleidungsstücke an, höchst unauffällig also. Zehn Stunden sollte die Fahrt dauern und ich war müde und erschöpft von den letzten Tagen. Als wir los fuhren, war der komplette vordere Teil des Busses leer und tummelte sich um meinen Platz herum, da sich alle lieber zu fünft einen Platz teilten, um gute Sicht auf mich zu haben.

Immer wieder wurde ich angefasst, sowohl von Männern als auch von Frauen.

Da ich nicht darauf vorbereitet war, wusste ich auch nicht wie ich mit der Situation umzugehen habe. Sollte ich versuchen mit ihnen zu reden, sollte ich sie ignorieren, Stärke zeigen, Angst zeigen, Wut zeigen? Ich wusste es nicht und blieb lieber beim Ignorieren, obwohl mir auch da nach ein paar Stunden die Tränen die Wange runter liefen, weil ich diese Wehrlosigkeit nicht ertrug. Sie versuchten mir meine Armbänder von den Armen zu reißen (es handelte sich hierbei um bloße Stoffbändchen und keinen wertvollen Schmuck), mir mein Tuch vom Kopf zu nehmen oder mein Backpack zu ergattern. Manche fassten mich auch einfach nur so immer wieder am Körper an und machten sich einen Spaß daraus wenn ich ihnen sagte, dass sie aufhören sollen und versuchte ihre Hände von mir zu entfernen.

Allein schon dieses Starren und Anfassen und vor allem die Ignoranz wenn ich versuchte sie davon abzuhalten, machte mich psychisch so fertig, dass all die korrupten Taxifahrer, Menschenmassen, dreckigen Hotelzimmer, der Lärm oder die Armut, die einen begegneten, viel schwerer zu ertragen waren.

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Auf einer anderen Busfahrt in Rajasthan setzte sich plötzlich der Fahrer zu mir in die Kabine und ließ jemand anderen weiter fahren. Anschließend zog er den Vorhang von meiner Schlafkabine zu, ich sah mich in diesem Augenblick natürlich schon mitten in einer Massenvergewaltigung, doch er fragte mich „nur“ über mein Liebesleben aus. Wo mein Mann wäre, war die erste Frage. Im Hotel, war meine Antwort und dass ich auf dem Weg zu ihm sei und er mich alleine lassen solle. Wieso er mich alleine lasse, fragte er ohne auf mich einzugehen.

Eine Frau dürfe nicht alleine unterwegs sein.

Auf diese Frage war ich absolut nicht vorbereitet und druckste irgendetwas vor mich hin wie, dass es in Ordnung sei und es das erste mal wäre, dass ich ohne ihn unterwegs bin. Wo mein Ring sei, fragte er daraufhin. Keine Antwort meinerseits..Tipp also an euch: Zieht euch auf jeden Fall einen Ring an den Finger, wenn ihr von eurem Ehemann sprecht, wirkt das einfach glaubwürdiger.

Wie viele Männer ich habe, wollte er anschließend wissen. Natürlich nur einen, erwiderte ich direkt. Daraufhin erzählte er mir, dass doch alle weißen Frauen mehrere Männer hätten. Im Fernsehen habe er das gesehen. Ich erklärte ihm, dass dies nicht der Fall sei und wir weißen Frauen keine „Schlampen“ sind, wie er uns nannte. Glauben konnte er mir das nicht, zumindest wollte er es nicht. Immer wieder fragte er, ob er einer meiner Männer werden könne, versuchte meine Hand zu nehmen und erzählte mir von irgendwelchen Frauen aus amerikanischen Serien. Erst nach einer Stunde ging er endlich auf meine Bitte ein und ließ mich alleine. Dieser Kampf ums Alleine sein war wirklich kräfteraubend.

 

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Am Strand in Goa kamen gleich ganze Männergruppen, die über einen herfielen. Sie liefen den Strand auf und ab und hielten Ausschau nach Frauen in Bikinis, wo sie stehen blieben, nach einem Foto fragten oder einfach ungefragt eins machten bis du sie verscheucht hast. Als ich eines Tages den Sonnenuntergang alleine anschaute, kam eine solche Gruppe zu mir und weil sie schon einmal da waren und ich vollkommen bekleidet war, wollte ich mir die Situation einmal aus ihrer Perspektive erklären lassen. Ich erklärte ihnen also, dass ich der Meinung bin, dass es sich nicht gehört Fotos von Frauen im Bikini zu machen und es für mich seltsam erscheint den Strand nur nach diesem Ziel abzusuchen. Da erzählten sie mir, dass sie hoch aus dem Norden kommen und man sich dort von den Frauen in Goa erzähle, das sei weit verbreitet und jeder wolle diese Frauen in Bikinis einmal selbst live sehen. Die Fotos seien sozusagen die Beweise für die Daheimgebliebenen.

Goa sei das Paradies. In Goa können sie frei sein.

Sie waren sehr nett zu mir gewesen und haben mich auf keiner Weise belästigt oder sind mir nur ansatzweise zu nah gekommen und obwohl ich es absurd fand, konnte ich sie irgendwo ein bisschen verstehen. Vielleicht war das ihre Form von Freiheit und vielleicht verkörpert ein Bikini eben genau dieses Gefühl auf symbolische Art und Weise. Dennoch war beruhigt am Strand zu entspannen somit auch in Goa nicht machbar. Es sei denn du störst dich nicht daran einen grinsenden Inder mit seiner Fotokamera bzw. gleich mehrere um dich herum stehen zu haben. Aber wer fühlt sich dann in seinem Bikini noch wohl?

Auf der Zugfahrt nach Varanasi wechselte ich mich mit einer Australierin gegenseitig mit dem Schlafen ab, um aufeinander aufzupassen. Denn eine Woche zuvor haben wir von einer Kanadierin gehört, dass sich, als sie in der Nacht im Schlafwagon aufwachte, fünf Inder an ihr zu schaffen machten. Sie hatte allerdings Glück im Unglück und konnte die Männer durch Schreien vertreiben. Tatsächlich bemerkte ich bei der Nachtschicht, dass kaum einer der Inder schlief und wir die ganze Nacht lang akribisch beobachtet wurden. Trotz unwohlen Gefühles ist uns allerdings nichts passiert.

Als es wieder hell wurde, setzte sich ein 83 Jähriger Mann neben mich und hielt für die nächsten sechs Stunden eine Eloge auf Indien. Ohne dass ich Kritik geäußert habe, erklärte er mir, dass er viel in seinem Leben gereist sei, aber kein Land mit Indien mithalten könne. Er sei sehr traurig darüber, dass so viele weibliche Touristen immer wieder schlechte Erfahrungen mit indischen Männern machen müssen. Daher wolle er mich und meine Freundin zu sich nach Hause einladen und uns indisches Essen, indische Kultur und ein indisches Heim zeigen. Er stellte uns auch seine Frau vor, die ebenfalls sehr alt war und sagte immer wieder, dass sie die Liebe seines Lebens sei und wir nichts zu befürchten hätten, sondern ihm vertrauen sollten. Die Frau konnte kein Englisch, aber lächelte uns immer wieder herzlich zu und küsste ihren Mann. Sie waren wirklich sehr süß und trotzdem lehnten wir immer wieder dankend ab. Doch er ließ nicht locker, er erklärte, dass wir nichts zu befürchten haben müssten, da er viel Geld habe, sehr alt sei und seine Frau mitkomme. Irgendwo dachten wir habe er recht. Er sah sehr wohlhabend aus und er und seine Frau waren wirklich zuckersüß miteinander, aber wir sagten trotzdem immer wieder ab und erklärten, dass wir schon ein Hotel gebucht haben.

Ich hätte ihnen eigentlich wirklich gerne vertraut..

Denn genau das ist es doch, was man als Backpacker am Liebsten auf seinen Reisen erleben möchte, dass man zusammen mit Einheimischen leben kann und deren Kultur kennen lernen darf, ohne extra an einer Touristentour teilnehmen zu müssen. So schön hätte es sein können ihr indisches Zuhause kennenzulernen, mit ihnen gemeinsam zu essen und mehr über ihre Kultur zu erfahren!
Doch die Vernunft siegte mal wieder, da ich es mir nie hätte verzeihen können, wenn ich mich selbst aus Naivität in eine gefährliche Situation gebracht hätte.

Als wir also endlich aus dem Zug ausstiegen, wurde der alte Mann sehr aufdringlich und warf uns vor, dass wir ihm nicht trauen würden und in ihm einen Kriminellen sehen würden. Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir nur wegen der Hotelbuchung nicht mitkommen können, aber sein freundliches Angebot sehr schätzen würden, doch es war zwecklos. Er wollte uns einfach nicht gehen lassen, fühlte sich von uns beleidigt und wurde immer lauter. Dies fiel auch gleich den anderen 30 Indern, die uns natürlich direkt wieder umgaben sobald wir aus dem Zug stiegen, auf.
Sie schrien plötzlich auf den alten Mann ein und dann ging alles ganz schnell und wir wussten gar nicht, was genau vor sich ging.

Es gab einen riesigen Streit zwischen allen Indern und wir waren mittendrin bzw. die Hauptursache.

Schließlich kam die Polizei angerannt und schlug den alten Mann mit einem Schlagstock nieder und zwei andere Inder zogen uns von dem Geschehen weg. Seine Frau schrie wie wild und weinte neben ihm auf dem Boden kauernd. Wir waren zutiefst entsetzt und fühlten uns enorm schuldig. Hätten wir das vermeiden können, wenn wir ihm einfach vertraut hätten? Warum konnte er unsere Entscheidung aber partout nicht akzeptieren, lag das an der Kultur oder war es doch eine Falle gewesen?
Ich verstehe bis heute nicht, was genau geschehen war.

Nach dieser Fahrt, wollte uns der Taxifahrer mal wieder partout nicht in unser gebuchtes Hotel fahren und zeigte uns immer wieder ein anderes, dass angeblich unseres sei, weil er dort Provision bekam. Weil das Hotel allerdings schon gebucht war und wir einfach keine Lust mehr auf diese endlosen Diskussionen hatten bei denen alle hektisch auf uns einredeten, versuchten wir einfach zu Fuß unser Hotel zu finden.

Wir waren erschöpft, wollten mit keinem mehr reden, geschweige denn diskutieren und nur noch in ein Bett fallen. Wir hatten keine Stadtkarte, Varanasi war voll von kleinen Gängen, die an ein Labyrinth erinnerten und plötzlich stand vor uns diese Kuh mit ihren riesigen Hörnern. Klar Kühe gab es überall in Indien und nach einem Monat gehörten sie auch einfach zum Stadtbild dazu, aber bei dieser Kuh war es anders. Es war eine kleine Gasse, wir beide komplett am Ende mit unseren Nerven und diese Kuh starrte uns an. Wir hatten ein ungutes Gefühl, mussten ja aber an ihr vorbei. Also bemühte ich mich keine ängstliche Energie auszustrahlen und unbekümmert an ihr vorbei zu gehen. Doch sie hatte da keine Lust drauf, holte mit ihrem Kopf aus und rammte mir ihre Hörner in den Rücken, so dass dieser sogar blutete. Zum Glück ließ sie mich danach einfach unbekümmert in Ruhe als sei nie etwas geschehen und zum Glück hatte ich meine Tollwut Impfung gerade noch rechtzeitig vor der Abfahrt machen können. Wir brauchten noch eine ganze Weile bis wir es in den mittlerweile dunklen Gassen zu unserem Hotel geschafft hatten und nahmen uns vor das Zimmer bis zur Abfahrt nicht mehr zu verlassen. Meine australische Begleiterin änderte noch am gleichen Abend ihren Flug und legte ihn zwei Monate vor, weil sie keine Nerven mehr für diese Reise hatte.

Es war wirklich anstrengend.

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Für einige Zeit reiste ich mit ein paar Männern zusammen und konnte daher sehen wie es gewesen wäre wenn ich tatsächlich mit meinem Freund gereist wäre. Ich wurde komplett ignoriert! Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich mich über Ignoranz so sehr gefreut wie zu dieser Zeit meiner Indienreise. Es war herrlich. Endlich konnte ich durch die Straßen laufen ohne angestarrt oder angefasst zu werden. Alles war vollkommen normal. Okay gut, auf der anderen Seite wurde ich auch beim Essen und Trinken bestellen häufig ignoriert, was daher immer mein Begleiter für mich übernehmen musste, aber das war mir nur recht. Endlich konnte ich ganz normale Konversationen führen ohne unangenehme Blicke zu bekommen oder dass das Thema auf die europäischen Frauen gelenkt wurde. Langsam kam mein Vertrauen in die Einheimischen wieder zurück und ich konnte wieder den offenen, kontaktfreudigen Menschen in mir zum Vorschein bringen, der sich so lange hinter der Vorsicht verstecken musste. Eines Tages gingen wir an einem abgelegenen See in Hampi schwimmen, natürlich kamen direkt schaulustige Inder, aber er musste nur sagen, dass er gerne mit mir, seiner Frau, alleine wäre, und schon entschuldigten sie sich und gingen schnell wieder weg.
Es war toll! So schön konnte Indien also für einen Mann sein.

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Die schlimmste Erfahrung machte ich allerdings im Kanha Nationalpark in der Nähe von Jabalpur, wobei ich mir im Nachhinein auch denke, dass es nicht sonderlich schlau war in eine Gegend zu fahren, in der so wenig Touristen unterwegs sind.

Bei unserer Ankunft rannte jeder von Haus zu Haus, um Bescheid zu sagen, dass soeben zwei Touristen in die Stadt kamen. Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell, aus allen Häusern rannten Menschen auf uns zu und zerrten an unserer Kleidung. Klingt jetzt vielleicht nicht so schlimm, aber nach zehn Stunden Busreise, kann es ziemlich anstrengend sein von einer riesigen Menschenmasse so dicht umzingelt zu werden und dich alle anfassen als seist du ein Superstar. Selbst wenn sie keine bösen Absichten verfolgten, und das taten sie definitiv nicht, war es wirklich sehr anstrengend.

An einem schönen Abend im Kanha Nationalpark, ich glaube es war sogar am Holy Festival, trafen wir eine Gruppe von moderner Inder, die uns sehr nett erschienen. Wir saßen mit ihnen zusammen im Hotel, spielten Karten und sprachen über ihre Universitäten. Noch nie zuvor auf der Reise hatten wir es mit wohlhabenden Indern zu tun und waren wirklich glücklich, dass wir auch mal positive Erlebnisse mit indischen Männern haben konnten. Allerdings nahm uns kurz nach diesem Gedankengang der Hotelmanager zurück und verbat uns den Umgang mit ihnen. Er sagte sie hätten in Hindu schlecht über uns geredet und böse Gedanken. Auch wenn wir sie super nett fanden, verabschiedeten wir uns schnell von ihnen und gingen deprimiert in unser Zimmer. Wir waren ziemlich traurig, da wir seit Wochen keine englisch sprechenden Menschen mehr getroffen hatten und fragten uns, ob der Hotelmanager vielleicht Unsinn erzählt hatte. Doch noch in der gleichen Nacht erfuhren wir, dass er Recht hatte.

Unsere lieben Freunde schlugen und traten betrunken gegen unsere Tür und Fenster und versuchten über mehrere Minuten hinweg in unser Zimmer zu gelangen.

Das Wissen keinen Ausweg zu besitzen und hilflos ausgeliefert zu sein war unerträglich. Erst als  der Hotelmanager mit der Polizei sie schließlich vertrieb, waren wir in Sicherheit.

Nach dieser traumatischen Nacht wollten wir selbstverständlich einfach nur noch weg von diesem Ort, leider fuhr die gesamte Woche kein Bus wegen des Holy Festivals und alle Hotels waren vollkommen ausgebucht, daher bot der Hotelmanager uns an bei ihm im Haus zu schlafen. Es war seine Art der Wiedergutmachung für den Vorfall der letzten Nacht. Da er selbst im Hotel schlafen wollte, dachten wir, dass dies sicher für uns sei. Er erklärte uns, dass wir nicht aus dem Haus dürfen, weil er sonst Probleme mit der Polizei bekommen könnte und dass wir auf keinen Fall die Tür öffnen dürfen, egal wer klopfe.

Ironischerweise war es genau der Hotelmanager der mitten in der Nacht an die Tür klopfte und natürlich taten wir genau das, was wir laut ihm nicht hätten machen sollen und ließen in rein. Denn schließlich war es sein Haus.

Er war betrunken und wollte in unser Bett. 

Er erzählte uns die gesamte Nacht von seiner Frau und wie er um sie kämpfen musste, weil ihre Eltern gegen eine Ehe mit ihm waren. Er erzählte uns eine ähnliche Geschichte wie Romeo und Julia, nur dass sie kurz vorm Tod gerettet worden seien und die Ehe schließlich erlaubt wurde. Wir waren uns nicht sicher, was wir von ihm halten sollten, weil seine Geschichte sehr ehrlich und rührend klang, aber er auf der anderen Seite immer wieder fragte, ob er in unser Bett darf, weil er sonst auf dem Boden schlafen müsse. Wir boten ihm an zu tauschen, aber das wollte er wiederum auch nicht.

Sein Haus war wie sein Hotel eine kleine Hütte bestehend aus einem Raum und einer Dusche als Vorraum. Und genau diese Dusche war das Schlimmste, was meiner australischen Begleiterin hätte passieren können. Auch wenn ich sie versuchte davon abzuhalten, nahm sie auf sein Angebot hin eine Dusche im besagten Vorraum. Was sie aber nicht wusste war, dass unser Hotelmanager davon ausging, dass sie dabei ihre Klamotten anbehält, wie es bei den Indern üblich war. Also stürzte er zu ihr herein, um ihr einen neuen Eimer Wasser zu bringen und kam  nicht klar, als er sie nackt vor sich stehen sah. Als sie panisch zu Schreien begann, rannte er wieder zu mir ins Zimmer und erklärte mir, dass er noch nie eine nackte Frau gesehen habe, da seine Frau mit Klamotten dusche. Er entschuldigte sich mehrere Male und schien komplett außer sich zu sein. Doch schon ging er wieder zu ihr rein und kam auch nicht mehr raus.

Sie schrie um Hilfe, doch er ging nicht weg, sondern immer mehr auf sie zu.

Er entschuldigte sich immer und immer wieder, aber wollte einfach nicht raus gehen. Wir schafften es schnell aus dem Haus und rannten von ihm davon. In jedem Hotel der nächsten Nächte kontaktierte er uns (ohne je die Adressen von uns erfahren zu haben) und noch heute schreibt er regelmäßig wie sehr er uns vermisse und es ihm leid tue (im Hotel mussten wir unsere Nummern beim Check-In angeben).

 

All diese Geschichten klingen wirklich schrecklich und verrückt. Es gab allerdings nicht nur schlechte Erlebnisse, aber es waren viele, sehr viele.
Ich hatte häufig negative Erfahrungen machen müssen, fühlte mich oftmals nicht sicher und trotzdem empfand ich Indien als eines der wunderbarsten Länder, die ich bisher bereist habe.
Ich denke im Nachhinein, je mehr ich von den Touristenrouten abgewichen bin und vor allem, je günstiger ich reisen wollte, umso gefährlicher wurde es auch.

Mehr Geld ausgeben und auf dem Touristenpfad bleiben lohnt sich definitiv.

Ich bin sehr froh, dass all die Situationen am Ende gut ausgegangen sind und habe viele Gefahren auch erst im Nachhinein wirklich realisieren können. Dennoch habe ich dadurch auch viel lernen können. Ich denke Indien hat mich mit meinen 22 Jahren mehr als alle anderen besuchten Länder geprägt und mich viel stärker nach Hause gehen lassen. Die nächsten Monate in Deutschland war ich die Ruhe in Person und so relaxt wie nie zuvor.

Außerdem ist Indien ein riesiges Land. In Goa, Hampi und Kerala, also sprich dem Süden des Landes, habe ich viele Freundschaften mit Indern schließen können und würde mich sehr freuen sie eines Tages wieder sehen zu können. Es gab daher nicht durchweg negative Erfahrungen mit Indern.

 

10 Tipps, damit eine Reise nach Indien sicher für Frauen wird:

 

1. Tragt einen Ring! Damit sind nicht gleich alle Probleme gelöst, aber eure Geschichten von eurem Mann wirken um einiges glaubwürdiger.

2. Legt euch eine Story zurecht, wo sich euer Mann befindet und vor allem, warum ihr jetzt gerade ohne ihn seid!

3. Weicht nicht vom Touristenpfad ab! Je weniger Touristen, desto gefährlicher wurde es meiner Erfahrung nach.

4. Kauft die teuerste Klasse im Zug! Am Zugticket solltet ihr wirklich absolut nicht sparen!

5. Zieht euch keine enganliegenden Klamotten an und zeigt möglichst wenig Haut! Einheimische Kleidung wird an Touristen sehr gerne gesehen, weil es deine Offenheit gegenüber ihrer Kultur deutlich macht.

6. Vermeidet Blickkontakt mit indischen Männern! Mir hat ein indischer Freund aus Goa berichtet, dass sie es als Flirten ansehen, wenn ihr ihnen in die Augen schaut!

7. Traut absolut niemandem wenn ihr ein komisches Gefühl dabei habt, weder einem alten Mann, noch einem Hotelmanager, noch netten Studenten..you never know!

8. Seid mutig und teilt den indischen Männern mit, wenn sie euch zu Nahe kommen!

9. Sucht euch am Besten einen männlichen Backpacker für die Zugfahrten und überhaupt macht das Reisen in Indien mit einem Mann erstaunlich mehr Freude!

10. Auch wenn ihr zu den spontanten Backpackern gehört, versucht die kommenden Tage ein wenig zu planen, damit ihr erst gar nicht in eine Situation kommt, in der ihr bei einem Hotelmanager im Haus schlafen müsst!

 

All diese Punkte sind lediglich Tipps meinerseits, die ich aus meinen Erfahrungen mitnehmen konnte. Es heißt nicht, dass dir beim Beachten all dieser Punkte nichts passieren wird, genauso wenig dass du beim Missachten der Punkte in unangenehme Situationen kommen wirst. Vor allem für junge Frauen, die in Indien alleine Reisen ist es sehr schwer, denn vor dem Alter und besonders auch vor Müttern haben, so wie ich es beobachten konnte, alle Inder sehr großen Respekt. Natürlich hängt viel davon ab, wie du dich präsentierst, ob du dich ängstlich und als Opfer zeigst oder als starke, selbstbewusste Frau. 

 

Zu guter letzt möchte ich noch meine Frage des Berichts „Ist eine Reise nach Indien sicher für Frauen“ beantworten: 

Nein, Indien ist kein sicheres Land für allein reisende Frauen.

Sobald eine Diskussion über die Sicherheit von allein reisenden Frauen in Indien aufkommt, wird immer wieder argumentiert, dass es überall auf der Welt, ja selbst in Deutschland, zu Vergewaltigungen kommen könne. Das stimmt selbstverständlich, aber hat absolut nichts mit der Frage zu tun. Es geht nicht darum, dass Vergewaltigungen in Indien vorkommen, sondern WIE sie von statten gehen.

Ich finde, dass es ein sehr großer Unterschied ist, ob ich in einsamen Gegenden und besonders am Abend vermehrt Acht geben muss oder ob ich am Nachmittag in einem Bus umgeben von Menschen Angst vor einer Vergewaltigung haben muss. Dann nämlich verlierst du das Vertrauen zu all den Menschen, die dich umgeben und wirst dich egal an welchem Ort, egal zu welcher Tageszeit niemals sicher fühlen. Ob du nun am Strand entlang läufst, im Restaurant sitzt, einkaufen gehst, dich im Hotelzimmer aufhältst, vollkommen egal wo oder wann, es gibt keinen sicheren Moment und das ist meines Erachtens ein vollkommen anderer Ausgangspunkt und überhaupt nicht vergleichbar mit der Situation in Europa. Daher macht diese Art von Argumentation für mich absolut keinen Sinn.

Ist Indien sicher für Frauen? Nein. 
Lohnt es sich trotzdem nach Indien zu reisen? Ja!

Was bedeutet sicher? Könnte ich nach meinen Erfahrungen sagen, dass es sicher war? Ist es sicher, wenn mir rein gar nichts passiert ist, aber vielleicht der Backpackerin, die ich getroffen habe? Ist Kolumbien sicher, weil mir nichts passiert ist, aber Überfälle zum täglichen Leben gehören? Ist Fliegen sicher? Oder Auto fahren? Jeder hat ein anderes Verständnis von Sicherheit. Meines Erachtens ist Indien nicht sicher für Alleinreisende Frauen, auch wenn mir nichts passiert ist. 

Meinen Beobachtungen zufolge ist es egal, was man beachtet und macht, letztendlich muss man einfach nur Glück haben.

Ich glaube an Schicksal und ich bin davon überzeugt, dass sich all die Frauen, denen etwas passiert ist, nicht schlechter verhalten haben als jenen, denen nichts passiert ist. Es wäre unfair das zu behaupten und liegt meiner Meinung nach wie immer im Leben am Schicksal.

Daher möchte ich keine Frau davon abhalten nach Indien zu reisen. Ich möchte keine Vorurteile vertiefen, ich möchte ein Bewusstsein für die lauernden Gefahren schaffen und an eine gute Vorbereitung appellieren. Indien ist das interessanteste Land, in dem ich je war und ich werde definitiv eines Tages zurückkehren, aber dieses Mal bin ich vorbereitet und sei es nur mental. 

Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass es sich hier lediglich um meine negativen Erfahrungen handelt und ich all die positiven Erlebnisse in den zwei Monaten komplett außer Acht gelassen habe.

Wenn du also Lust auf Indien hast, dann los mit dir, mach dir dein eigenes Bild, aber bereite dich vor, spare nicht am Geld und weiche nicht zu sehr von den Touristenpfaden ab!

 

Dass Indien trotzdem eines der schönsten Länder ist und warum ich selbst unbedingt wieder zurück möchte, erkläre ich in meinem nächsten Bericht!

Ein indischer Freund von mir sagte mir einst: 

„You can leave India but India never leaves you!“

…damit hatte er absolut Recht.

 

 

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 copyright Jasmin Böhm
 
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20 Comments

  • Reply
    Antje
    9. Februar 2014 at 17:11

    Hallo Mira!
    Super spannender Reisebericht aber gleichzeitig auch extrem „traurig“.
    Ich mag deine Fotos (auch in den anderen Artikeln :) ).

    Antje

    • Reply
      Mira Mireau
      10. Februar 2014 at 2:19

      Hallo Antje!
      Dankeschön! :)
      Ja, traurig ist es wahrhaftig..Ich hoffe, dass diese „Probleme“ weiterhin in der Öffentlichkeit diskutiert werden und es dadurch vielleicht in ein paar Jahrzehnten schon besser sein wird..denn Indien ist ein wirklich sehenswertes Land!!

    • Reply
      Ute Kranz
      11. Februar 2014 at 9:10

      Ich bin ganz deiner Meinung!

  • Reply
    Walter Bracun
    4. Oktober 2014 at 22:34

    Danke für diesen überaus informativen und interessanten Beitrag. – Ja, so ist Indien, wie es leibt und lebt! –
    Weiterhin alles Gute, viel Erfolg und natürlich erlebnisreiche Reisen!
    Walter Bracun

    • Reply
      Jasmin
      15. Oktober 2014 at 0:58

      Hallo Walter,
      vielen herzlichen Dank! Dir natürlich ebenfalls!
      Liebste Grüße
      Jasmin

  • Reply
    Backpacking in Indien: 8 Reiseblogger berichten
    28. November 2014 at 10:25

    […] Kurze Anmerkung von mir: Jasmin hat ihre Eindrücke als allein reisende Frau in Indien aufgeschrieben. Hier findest du ihren Artikel: Ist eine Reise nach Indien sicher für Frauen? […]

  • Reply
    Robert
    12. März 2015 at 12:40

    Eigentlich sollt ich grad arbeiten, bin aber zufällig über Facebook auf deinen Blog gekommen und schlussendlich auch auf diesen Artikel.

    Sehr sehr interessant zu lesen und sehr gut geschrieben.
    Weiter so!

    • Reply
      Jasmin
      28. März 2015 at 16:33

      Vielen Dank für dein Feedback Robert, das freut mich sehr!

      Liebe Grüße
      Jasmin

  • Reply
    Elena
    24. März 2015 at 5:10

    Hallo Jasmin!

    Ich möchte dir wirklich nicht zu nahe treten, aber ich denke, dass Indien einfach nicht das richtige Land für dich ist. Natürlich werden die Geschichten, die du hier niedergeschrieben hast, aus deiner Sicht so passiert sein, aber kann es nicht sein, dass du ab und an etwas übertrieben bzw. die Situationen falsch erkannt und reagiert hast? Ich war selbst monatelang in Indien unterwegs, einmal mit meinem Freund, einmal ohne und ich hatte nie nie nie gravierende Probleme!

    Auf meinen Reisen habe ich viele Frauen – sicher um die 20 – kennen gelernt, die alleine in Indien unterwegs waren, und nicht eine hatte solche Probleme wie du. Ich finde es auch total schockierend, welche Wortwahl du teilweise verwendest („all die korrupten Taxifahrer“, „Am Strand in Goa kamen gleich ganze Männergruppen, die über einen herfielen“, “ Endlich konnte ich durch die Straßen laufen ohne angegafft und angegrabscht zu werden“ …. )! Du erklärst Dinge, die DIR passiert sind und die durch DEINE Auffassung wahrgenommen wurden, als allgemeingültig, und vermittelst ein unglaublich falsches Bild von dem Land, was ich als wirklich sehr naiv, unreif und respektlos empfinde.

    Am Ende des Artikels sehe ich noch die Fotos, die du mit unterschiedlichen Männern gemacht hast. Ich muss leider sagen – bitte nimms mir nicht übel – dass dieses Verhalten auch ein bisschen dumm ist. Du schießt ein Foto nach dem anderen mit den unterschiedlichsten Männern, während das vermutlich andere Männer beobachten und mitbekommen. Versetz dich doch bitte einmal in die indische Mentalität! Klar vermittelt das für einen Europäer harmlose Fotoschießen einen nicht weiter aufregenden Eindruck. Aber für das männliche, indische Verständnis, wird diese Situation ganz anders aufgefasst! Ich nehme hier niemanden in Schutz, aber ich denke einfach, dass du in manchen Situationen einfach falsch reagiert hast. Klar haben einige indische Männer eine etwas abstruse Vorstellung von westlichen Frauen, aber es liegt auch an uns, sich in ihre Ansichten reinzufühlen und uns angemessen zu verhalten. Mit verschiedenen Männern öffentlich rumzuposieren, ist definitiv ein nicht ganz so glückliches Verhalten.

    Auch von Goa vermittelst du ein durch und durch subjektives, negatives Bild, denn diese Beachboys, die zum Touristinnenglotzen kommen, sind rein auf einem Strand im Süden anzutreffen (bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, es war der Colva Beach). Bitte wirf nich gleich einen ganzen Bundesstaat in einen Topf, noch dazu, wenn es sich um die friedvollste und reinste Oase handelt, in die man während einer Rucksackreise durch Indien mal entspannt zurück ziehen kann.

    Zum Thema Starren und Betatschen: Mein kompletter rechter Arm ist tätowiert, und klar wurde ich das ein oder andere Mal dort berührt, ohne gefragt zu werden. Was habe ich gemacht: Lauthals meinem Unmut kundgetan, und die Situation war – auch für die umstehenden Personen – geklärt. Eine bestimmtes „Don´t touch me!“ wirkt einfach Wunder. Ist nie unhöflich angekommen, im Gegenteil, man muss sich eben positionieren, und damit kamen die indischen Männer IMMER gut klar. SIe sprechen dann auch mit einem ganz anders, zeigen Respekt. Deinen Beschreibungen nach hast du dich einfach in die Opferrolle reingedrängt, und dann ists klar, dass sie wenig bis keinen Respekt vor dir hatten.

    Und klar wurde ich während eines Busstops mitten der Nacht irgendwo in der nordindischen Pampa von hunderten Augen angestarrt. Klar nervt das enorm, aber warum nicht mit ein bisschen mehr Humor auf die Situationen reagieren und einfach zurückstarren, wenns sein muss minutenlang. Damit hat sich die Starrerei IMMER nach kurzer Zeit erledigt.

    Eine Sache wäre noch: Warum setzt du dich im Bus ganz nach hinten, obwohl die vordersten Plätze allesamt unbesetzt waren? Hast du gewusst, das die erste bis zweite Reihe in indischen Bussen IMMER für Frauen vorgesehen ist (wetsliche und indische)? Ich habe viele Busfahrer erlebt, die sogar darauf bestanden haben, dass ich mich hinter sie setze, und die geradezu stolz waren, eine westliche Frau „beschützen“ zu dürfen. Klar ists nicht ok, wenn die Leute dich um Bus so bedrängt haben, aber wenn du dich besser informiert hättest und dich dadurch wirklich auf die Kultur eingelassen hättest, wäre diese Bussituation zu vermeiden gewesen. Du hättest dich außerdem beim Busfahrer wegen des Bedrängens melden können. Ich verstehe absolut nicht, warum ihr einfach nichts gemacht habt. Tut mir Leid, wenn ich das sage, aber: Selber Schuld!

    Ich denke, dass man für Indien einfach auch ein gewisser Typ sein muss, und es ist weder gut noch schlecht, wenn man in und mit diesem Land zurecht kommt, oder eben nicht.

    Ich für mein Teil sage definitiv, dass Indien für Frauen problemlos zu bereisen ist. Allerding nur für jene Frauen, die auch mal wirklich ihren Mann stehen können und sich mit Charme und Humor durch eines der menschlich wirklich beeindruckendsten Länder der Welt schlagen wollen. Meiner Meinung nach haben dir diese wichtigen Atribute eben gefehlt und ich würde dir raten, einfach – um deiner selbst Willen – nicht mehr nach Indien zu reisen. Den wenn du dich wirklich so unwohl gefühlt hast, frage ich mich, warum du nochmal hinmöchtest. Das bringt weder den Einheimischen, noch dir was.

    Beste Grüße,
    Elena

    • Reply
      Jasmin
      29. März 2015 at 2:40

      Hallo Elena,

      vielen herzlichen Dank deine Meinung mit mir und meinen Lesern zu teilen.

      Dir muss dabei nur eines bewusst sein und das schreibe ich auch direkt zu Anfang: In diesem Bericht möchte ich hauptsächlich auf meine Erfahrungen mit den Gefahren, die auf mich als allein reisende Frau lauerten, eingehen.
      Gesagt, getan.

      Ich bin bereits viel gereist und hatte noch nie Probleme gehabt, sei es in Südamerika oder in Südostasien. Leider musste ich einige in Indien machen und habe daher komplett subjektiv und ehrlich meine Erfahrungen geteilt. Wie gesagt, ich habe nur die negativen Erfahrungen beschrieben und habe selbstverständlich auch positive machen können, wie ich gegen Ende geschrieben habe.

      Bei der Frage nach der Sicherheit haben wir vielleicht einfach ein anderes Verständnis. Wenn du meine Erfahrungen gemacht hättest, würdest du dann aus deiner Sicht behaupten es sei ein sicheres Land? Man kann auch ein Land bereisen, ohne es als sicher einzustufen. Ich sage in keiner Zeile, dass ich davon abrate nach Indien zu fahren, betone sogar, dass ich selbst wieder zurückkehren möchte, auch wenn ich es weiterhin nicht als sicher einstufen würde. Es hat aber auch jeder ein anderes Verständnis von Sicherheit. Kolumbien gilt zum Beispiel auch nicht als sicher und eine gute Freundin, die dort aufgewachsen ist, sagt auch, dass es gefährlich ist und trotzdem ist mir während des gesamten Aufenthaltes nichts passiert. Wenn mich jemand fragt, ob es sicher ist, werde ich dies trotzdem verneinen, weil das eben nicht der Fall ist. Damit sage ich allerdings nicht, dass es sich nicht lohnen würde trotzdem dort zu reisen, sondern dass man vorsichtiger sein muss, so wie in Indien eben auch.

      Die Fotos, die meine australische Begleitung von mir gemacht hat, sind außerdem mit netten Indern, mit denen wir unterwegs waren, entstanden. Wie du siehst, bin ich aufrichtig am Lachen, es ist also sicherlich keiner dieser beschriebenen Situationen gewesen.

      Wenn du mich fragst, warum ich (wir) in so viele unangenehme Situationen geraten sind, liegt es zum einen daran, dass vor meiner Abreise dieses Thema noch nicht so stark diskutiert wurde, wie es nun seit ein paar Jahren der Fall ist und ich daher, wie ich geschrieben habe, nicht wusste, welches Verhalten von mir am Sinnvollsten sein könnte. Stärke zeigen? Ignorieren? Darüber hatte ich mir zuvor keine Gedanken gemacht, weil ich damals nicht geahnt habe, dass ich oft in solche Situationen kommen werde und war deshalb nicht darauf vorbereitet.
      Und zum anderen ein weiterer grober Fehler, das Geld sparen. Viele Situationen wären so nicht geschehen, wenn ich in einer teuereren Zugklasse, in einem anderen Bus oder in einem preiswerterem Hotel geschlafen hätte. Daher ganz klar mein Tipp, nicht am falschen Ende sein Geld zu sparen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir viele dieser Erfahrungen sparen können.

      Ich sehe es immer wieder, dass gesagt wird, dass all die Frauen, die negative Erfahrungen gemacht haben, selbst daran Schuld seien. Mir ist nichts passiert, daher trifft mich diese Aussage kein bisschen. Aber es ist all den Touristinnen, denen etwas passiert ist, nicht fair gegenüber. Zudem empfinde ich es aber als ein bisschen respektlos mir zu unterstellen, dass ich ab und an übertrieben hätte und die Situation falsch erkannt hätte. Wenn deine Tür fast eingeschlagen wird, ein Mann vor deinen Augen zu Bode geprügelt wird oder einfach nicht aus deiner Kabine rausgehen will, egal wie bestimmt du Nein sagst; dann finde ich es schon ziemlich dreist, zu behaupten, dass ich die Situation falsch erkannt hätte. Ich habe viele getroffen, denen weit aus schlimmeres passiert ist, denn im Endeffekt waren meine Situationen ja doch allesamt harmlos, weil sie alle gut ausgegangen sind. Ich denke nicht, dass all diese Frauen inklusive mir übertreiben oder die Situation falsch erkannt haben. Es freut mich wirklich ernst gemeint vom Herzen, dass du durchweg positive Erfahrungen machen konntest, du musst allerdings auch damit leben können, dass dies nicht bei jedem der Fall ist.

      Glaub mir, ich bin ein sehr gelassener, selbstbewusster und starker Mensch, ich war leider absolut nicht darauf vorbereitet, dass mir so etwas passieren könnte. Daher ist es mir wichtig, dass neben den tausend Berichten, dass Indien absolut sicher sei, auch einfach mal negative Erfahrungen an die Öffentlichkeit gelangen und somit vor weiteren Problemen, sei es wegen besserer Vorbereitung, schützen können.

      Vielleicht hat sich auch einiges seit den öffentlichen Skandalen geändert, das weiß ich nicht. Vielleicht werde ich eines Tages wieder in Indien reisen und dann Indien komplett anders erleben, ich weiß es nicht. Und vielleicht hatte ich auch einfach, wie geschrieben, Pech gehabt, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

      Ich wünsche jedem eine gute Zeit in Indien und freue mich enorm darüber, wenn Frauen ein durchweg positives Bild von diesem Land erfahren dürfen. Es ist meines Erachtens aber wichtig, nichts runterzuspielen, sondern auch die negativen Erfahrungen weiterhin öffentlich zu machen, um das Bewusstsein über diese Problematik aufrecht zu erhalten.
      Das ist meine Meinung, die du natürlich nicht teilen musst.

      Ich danke dir trotzdem für deine Worte, sie sind definitiv nicht auf taube Ohren gestoßen und haben in mir die Idee aufkommen lassen, eventuell noch einmal meine positiven Erfahrungen niederzuschreiben, um ein runderes Bild des Ganzen entstehen zu lassen. Vielen lieben Dank dafür.

      Eine schöne Zeit noch auf Reisen!

      Herzliche Grüße
      Jasmin

    • Reply
      Erdmuthe
      7. Mai 2015 at 7:06

      Liebe Elena, vielen vielen Dank für diese Antwort. Sie spricht mir aus dem Herzen. Ich bin oft in Indien unterwegs gewesen (in weiblicher Begleitung) und hatte nur eine kleine unschöne Begegnung (die habe ich in Deutschland aber auch).
      Ich stimme Dir absolut zu, wer sich entsprechend vorbereitet und einlässt, wird ein großartiges Land erleben. Und jedem, der mich fragt, sage ich: Ja, es ist sicher, auch für Frauen! Absolut, wenn man sich einstellt!
      Ich lebe jetzt übrigens hier, allein, mit zwei Töchtern – und meine Meinung bleibt: Es ist sicher.
      Trotzdem sage ich auch jeder Frau: seid nicht naiv, lasst Vorsicht walten, nutzt nachts nur sichere Taxis, provoziert nichts und geht komischen Situationen lieber aus dem Weg, hört auf Euer Bauchgefühl, kleidet Euch dezent und adäquat, seid selbstbewusst, aber freundlich.
      Ring am Finger ist extrem hilfreich, und ich habe auch immer eine Trillerpfeife und Pfefferspray in der Handtasche. Und last but noch least: Sobald Alkohol ins Spiel kommt, ist besondere Obacht geboten, aber das ist ja bekanntlich in jedem Land so.
      Ich wünsche allen – Frauen wie Männern – eine tolle Zeit in Incredible India!

      • Reply
        Jasmin
        16. Mai 2015 at 20:18

        Liebe Erdmuthe,

        vielen Dank für deinen Kommentar und deine wertvollen Tipps für das Verhalten von weiblichen Indien-Reisenden!!
        Dir und deinen Töchtern wünsche ich weiterhin eine wunderschöne Zeit in Indien! :)

        Liebste Grüße
        Jasmin

  • Reply
    Lisa
    24. März 2015 at 22:27

    Hallo Jasmin
    Ich habe deinen Bericht mit grossem Interesse und auch Erstaunen gelesen. Ich werde Anfang Mai mit meinem besten Freund nach Indien reisen, um durch Südindien zu traveln. Ich muss sagen ich habe noch keinen so detaillierten und ehrlichen Reisebericht gelesen bis jetzt und bin dir deshalb sehr dankbar. So kann man sich doch anfangen wenigstens ein bisschen mental auf Indien vorzubereiten (auch wenn das eigtl kaum möglich ist). Ich werde die nächsten Wochen deinen Blog weiter verfolgen und wünsche dir noch tolle Erlebnisse. Liebe Grüsse Lisa

    • Reply
      Jasmin
      28. März 2015 at 16:31

      Hallo Lisa,

      ich freue mich sehr, dass dir der Bericht weiterhelfen konnte und wünsche dir eine wunderschöne Zeit, sowie viele beeindruckende Erlebnisse!
      Meine Tipps an dich, wie gesagt, nicht am falschen Ende sparen und nicht all zu weit von den Touristenpfaden alleine auf Erkundungstour gehen! :)
      Eine Freundin von mir ist gerade mit einem Freund in Indien und sie hat sehr gute Erfahrungen mit Couchsurfen zumindest in den Großstädten gemacht. Das ist sicherlich eine coole Idee, um gleich mal ein paar positive Eindrücke zu gewinnen und dir die Stadt von einem Einheimischen zeigen zu lassen..
      Ich bin gespannt, was du berichten wirst!

      Herzliche Grüße
      Jasmin

  • Reply
    Sylvia
    25. Dezember 2015 at 19:43

    Hallo Jasmin,

    ich fand Deinen Reisebericht sehr interessant und hilfreich; da ich nächstes Jahr auch alleine mit Rucksack nach Indien reisen möchte, würde mich interessieren, inwieweit Du Deine Reiseroute geplant hast, vor allem bzgl. Buchung von Zimmern oder Züge bzw. Busse?

    Liebe Grüße Sylvia

    • Reply
      Jasmin
      7. Februar 2016 at 22:06

      Hallo Sylvia,
      danke für deinen Kommentar, es freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte.
      Ich bin die gesamte Reise ziemlich spontan von Ort zu Ort gereist und habe die Züge/Busse und die Zimmer meist erst ein paar Tage im Voraus gebucht. Das ging aber beispielsweise am Holy Festival ganz schön daneben loß, da zu dieser Zeit auch alle Einheimischen Urlaub machen und dadurch viele Unterkünfte schon voll sein könnten. Ansonsten hatte ich keinerlei Probleme und konnte auch oft einfach vor Ort eine Unterkunft suchen, was dann natürlich ein bisschen stressiger wegen der ganzen Angebote wurde.

      Liebe Grüße und eine tolle Zeit in Indien!
      Jasmin

  • Reply
    Allein Reisen als Frau in Indien: Ein Plädoyer
    11. Februar 2016 at 22:44

    […] Bericht auf Mira Mireau lese, kann ich nicht fassen, dass wir durch das gleiche Land gereist sind: Ist eine Reise nach Indien sicher für Frauen? Ihre Antwort ist: […]

  • Reply
    Dag
    27. November 2016 at 21:18

    Hallo,
    ich finde es gut, dass du klar und deutlich aber ohne Übertreibung die Gefahren für allein reisendeFrauen in Indien aufzeigst.
    Ich persönlich ( heller Typ, lange hellblonde Haare)bin auf meinem 4- wöchigen Trip auch dauernd angequatscht und angetoucht worden.
    Ich stand ständig unter Steom und hatte viel Angst und war sehr dankbar, als ich wieder nach Hause konnte!
    Indien ist ein tolles Land und es hat mich viel Dankbarkeit für mein Leben hier gelehrt.
    Nochmal würde ich allerdings nicht hinreisen.
    Schade!

    • Reply
      Jasmin
      28. November 2016 at 18:16

      Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Schade, dass du ebenfalls schlechte Erfahrungen machen musstest. Es ging mir allerdings genau so, dass mir Indien viel Dankbarkeit gelehrt und aus mir einen anderen Menschen gemacht hat. Vor kurzem war ich auf Sri Lanka, dort hatte ich absolut keinerlei Probleme, und ich denke, dass ich Indien in naher Zukunft nochmal bereisen werde. Ich hoffe, dass ich dann nicht mehr, wie du es auch erlebtest, ständig unter Strom stehen werde. Wir werden es sehen, vielleicht habe ich ja nun mehr Glück! :)
      Ich finde es allerdings schön, dass auch wenn du Indien nicht nochmal bereisen möchtest, du dennoch ein positives Resultat aus der Reise ziehen kannst, darum geht es doch schlussendlich.
      Liebe Grüße
      Jasmin

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