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FARMARBEIT IN AUSTRALIEN, 45 GRAD UND KEIN GELD!

 
Es gibt viele Möglichkeiten auf Reisen an Geld zu kommen, eine davon ist Farmarbeit in Australien.
In Australien bekommen Backpacker meist Arbeit in Hostels, Bars und Restaurants und ganz selten, wenn sie wirklich qualifiziert sind oder viel Phantasie beim Lebenslauf bewiesen haben, auch mal in einem Büro. Doch am wahrscheinlichsten bekommt man als Backpacker einen richtigen Drecksjob, der einen körperlich sehr schnell an seine Grenzen kommen lässt.
Als ich also nach über einem Monat in Melbourne keinen Job finden konnte, ging ich in das trostlose Städtchen namens Mildura, um mit Farmarbeit mein Geld zu verdienen.
 
 
Ich weiß, man erzählt sich als Backpacker immer, dass man mit Farmarbeit in Australien „richtig reich“ werden kann und das „voll Spaß“ mache, aber merke dir eins: Das ist vollkommen gelogen!
Denn die Wahrheit ist: Farmarbeit in Australien ist nicht weniger anstrengend als in anderen Ländern und bringt dir vergleichsweise vielleicht viel Geld, in Relation zu den Lebensunterhaltskosten bleibt für dich am Ende des Monats allerdings auch nicht wirklich viel davon übrig!
 
 
Und trotzdem rate ich jedem, es wenigstens einmal in seinem Leben gemacht zu haben, allein schon um zu sehen wie viel Arbeit hinter unseren schönen Lebensmitteln in den Supermärkten steckt.
Wie viele Menschen wie Roboter bei 45 Grad mit den giftigsten Spinnen, dem krassesten Sonnenbrand mindestens 10 Stunden am Tag für Niedriglohn arbeiten, nur damit du dich mit deinem Wein bei der nächsten Party mal wieder so richtig abschießen kannst.
 
 
Die Unterkunft war voll von giftigen Spinnen, voll von Schimmel, voll von Kakerlaken.
Das Orangen sortieren am Laufband ließ einen verrückt werden und das Wein pflücken bereitete die schmerzhaftesten Rückenschmerzen und schlimmsten Spinnenbisse. Und am Ende der Woche rannten alle wieder ihrem Geld hinterher und blieben meist mit der Hoffnung auf die nächste Woche zurück. Ein Traum!
 
 

Farmarbeit in Australien – Station 1: Orangen sortieren

 
Angefangen habe ich mit einem sogenannten „Traumjob“ unter den Farmarbeitern, dem Orangen sortieren. Denn alles, was in einem vor der Sonne geschütztem Raum ausgeführt werden konnte, wurde als das Non Plus Ultra gefeiert. Ich war zunächst der Meinung, dass es doch schön sei, draußen an der frischen Luft, anstatt in einer dunklen, stickigen Halle zu arbeiten. Doch diese Aussage ziehe ich im Nachhinein zurück, denn Schatten ist Luxus, wie ich lernte.
Das Orangen sortieren „durfte“ ich ganze vier Tage lang machen, dann wurde ich als zu langsam eingestuft und wurde ausgetauscht. Vier Tage war einer der Rekordzeiten unter uns Farmarbeitern. 

 

Die Arbeit am Laufband sah wie folgt aus: 

 
Es gab drei Stationen. Station 1 war der Anfang des Laufbands, an dem alle gepflückten Orangen auf einmal auf dem Band ankamen. Dort stand eine Person, das war meist ich, und musste so schnell es ging alle schlechten Orangen, das heißt alle nicht so schön orange aussehenden, wegschmeißen. Das waren ungefähr 80% der Ladung und daher gab es nie, auch nur für eine Sekunde, Pause. Schon nach der ersten halben Stunde kämpfte ich mit höllischen Nacken- und Rückenschmerzen, nach zwei Stunden wurde mir schwindelig, nach drei Stunden spürte ich meine Arme nicht mehr und erst nach vier Stunden, als ich kurz vorm körperlichen Zusammenbruch stand, gab es endlich die erste Pause. Ich muss dazu sagen, dass ich jahrelang Leistungssport betrieb bevor ich nach Australien ging und fragte mich wie andere Arbeiter diesen Anforderungen gerecht werden konnten. „You’re too slow“, war das erste Lob meines Chefs. Ach wie ich diese Arbeit liebte.
 
 
Station 2 war mit zwei Arbeitern besetzt, die all die schlechten Orangen, die an Station 1 übersehen wurden, aussortieren mussten. Die Schmerzen und der Job war der gleiche wie bei Station 1, nur eben nicht ganz so stressig, je nachdem wie gut die Person an der ersten Station eben war.
Auf Station 3 waren ca. zehn Arbeiter stationiert, sie sorgten dafür, dass die schön aussehenden Orangen ordentlich in Kisten verpackt wurden. Dafür gab es verschiedene Ordnungen und wenn auch nur eine Orange falsch in die Kiste gelegt wurde und das der Boss an Station 4 beim Überprüfen feststellte, durfte man die komplette Kiste nochmal neu sortieren. Was so viel hieß wie, dass die letzten 30 Minuten vollkommen umsonst waren und du natürlich um deinen Job bangen musstest, da dein Fehler bemerkt wurde.
Ich war also wirklich glücklich nach vier Tagen gekündigt worden zu sein und die nächsten Wochen draußen weit weg vom Fließband verbringen zu dürfen.
 
 

Farmarbeit in Australien – Station 2: Das Wein pflücken

 
Das Wein pflücken war vergleichbar wirklich „angenehme“ Arbeit. Man lief stundenlang in gebückter Haltung unter den Weinreben entlang und schnitt die Weintrauben ab und verpackte sie in eine Tüte. Bezahlt wurde man nach der Menge, nicht nach Stunden. Das war Clever, daher beeilten sich alle wirklich sehr und rannten förmlich die endlos langen Reihen entlang.
 
 
Blöd waren nur die riesigen Spinnen, die immer wieder auf einen lauerten und teilweise, wie ich spüren musste, auch noch bissen. Noch blöder war die Sonne und der Fakt, dass unser Wasser schon ab 9 Uhr kochend heiß und somit ungenießbar wurde. Am aller blödesten war allerdings das Gehalt. Beim Orangen sortieren wurde ich per Stunde bezahlt, was untypisch für Farmarbeit und daher heiß begehrt war. Beim Wein pflücken, wie gesagt, nach der Menge oder aber nach Reihen. Wenn man schnell und gut arbeitete kam man am Ende des Tages nach 12 Stunden Arbeit auf ungefähr 120 Dollar. Für australische Verhältnisse war das ein  äußerst schlechter Lohn, wenn man bedenkt, dass man in einer Bar mindestens 17 Dollar pro Stunde bekam.
 
 
 
 
Warum tat ich mir das an? Natürlich war die Erfahrung sehr interessant und wichtig für mich, doch die Zeit auf einer Farm kann mit den richtigen Menschen wirklich unvergesslich werden, schließlich sitzen alle im selben Boot. Niemand hat Geld, alle haben Schmerzen und jeder versucht seine drei Monate zu absolvieren, um seine Chance auf ein zweites Work and Holiday Visum für Australien zu erhalten.
Alles in allem war es eine tolle Zeit und trotzdem war ich froh, als ich das einsame Städtchen Mildura nach langer Zeit endlich wieder verlassen durfte. Reich bin ich nicht geworden, aber die Erfahrung war es allemal wert!
 

 

Wie du an einen Farmjob kommst:

 
  •  http://www.gumtree.com.au
  •  http://www.wwoof.com.au
  • Frag andere Backpacker oder im Hostel um Auskunft, sie können dir sicherlich weiterhelfen.

 

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Copyright Jasmin Böhm

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