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ROADTRIP DURCH DAS OUTBACK AUSTRALIENS – VON DARWIN BIS NACH ADELAIDE

 

 Ein Erfahrungsbericht über meinen Roadtrip durch das Outback Australiens

 
Wie bereits in meinem letzten Post geschrieben, ging es nach meinem Darwin Aufenthalt bei einem Roadtrip einmal komplett durch den Kontinent, durch das einsame Outback, bis runter nach Adelaide. 
Drei Wochen Outback. Drei Wochen endlose Leere. Drei Wochen mit einem Unbekannten.
Die drei besten Wochen meines Lebens!
 
Mein Unbekannter hieß Gilly, war 24 Jahre alt und kam aus Frankreich. Ich sah einen Post von ihm auf www.gumtree.com.au, in dem er Mitfahrer nach Alice Springs suchte, um sich den Sprit und die Einsamkeit in den kommenden Wochen zu teilen. So kam es, dass wir ein paar Tage später gemeinsam los ins tiefe Unbekannte, ins einsame Outback fuhren.
 
Klar, wir schauten uns auf unserem Weg nach Adelaide natürlich alles an, was man sich eben so anschauen konnte..Litchfield National Park, Catherine Gorge Nationalpark, Daily Waters, Tennant Creek, Ayers Rock…aber das war es nicht, was den Trip so unvergesslich machte. Nein. Diese Weite, diese unendliche Weite. Das war es, was meinen Körper mit voller Glückseligkeit durchströmen ließ. Tagelang siehst du nichts, nichts außer verlassene Wüstenlandschaft zu deinen Seiten, ein paar Kängurus und Eidechsen am Wegesrand, bei Glück mal einen Roadtrain mit einem glücklich winkenden Fahrer und vor allem aber eine nie endende Straße. 
 

australia-252811-2529Das Besondere an einem Roadtrip durch das Outback Australiens

 

Die meist gestellte Frage bezüglich des Outbacks an mich ist stets:

„Fandest du es nicht extrem langweilig so ewig in dem Auto zu sitzen und nichts zu machen, nichts zu sehen, nichts zu hören?“ 

 
Meine Antwort, wie ihr euch nun sicherlich vorstellen könnt, ist immer die gleiche:
 
„Nein. Ganz und gar nicht, es war das Beste, was ich je erlebt habe.“
 
Aber warum? Lasst mich nachdenken, wie soll man das möglichst realitätsgetreu erklären?
Du wachst im Kofferraum deines Autos durch die ersten Sonnenstrahlen auf, gehst aus dem Wagen raus und stehst in der wunderschönsten Landschaft, die du dir nur erdenken kannst. Du drehst dich lächelnd um deine eigene Achse und siehst nichts als dein Auto und deinen vor wenigen Tagen noch unbekannten Beifahrer, der inzwischen dein bester Freund geworden ist. Ihr esst gemeinsam euer Frühstück und genießt die vollkommene Ruhe, die angenehme Wärme der Sonne und die wunderschöne Natur um euch herum. Während dem Auto fahren läuft deine absolute Lieblingsmusik, die dir selbst im verregneten Deutschland stets die beste Laune bescherte. Immer wieder hüpfen Kängurus an der Seite deines Autos entlang, liegen die exotischsten Echsen oder Schlangen auf der Straße, rennen Emus in der Ferne. Du weißt egal in welche Richtung du blickst, gibt es Meilenweit nichts, absolut nichts als das, was du genau in diesem Moment sehen kannst. Es ist ein magisches Gefühl. Ein Gefühl der vollkommenen Verbundenheit zwischen dir und der Natur.
 
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Abends sitzt du in deinem Campingstuhl, schaust in den Himmel, hörst dem Klang der Gitarre deines besten Freundes zu und vergisst den Rest der Welt. Der Himmel ist förmlich am Strahlen. Noch nie zuvor hast du so viele Sterne gesehen, noch nie so viele Sternschnuppen gezählt. Der Alltag, die Sorgen und all der Stress sind vergessen.
 
Ich werde nie den Moment vergessen als ich mir bei einer Sternschnuppe etwas wünschen wollte und mir auch noch nach langen Grübeleien einfach kein Wunsch einfallen wollte. Nicht mal ein kleiner. Nichts.  In diesem Moment wurde mir zum ersten mal bewusst, wie glücklich ich war. Nichts auf der Welt hätte mich zufriedener machen können, als zu dieser Zeit, mit genau diesem Menschen an genau diesem Ort zu sein. Mit Tränen in den Augen und Gänsehaut am gesamten Körper wünschte ich dem Rest der Welt dieses Gefühl auch nur wenigstens ein einziges mal ebenfalls genießen zu dürfen.
 
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Trotz der Einsamkeit gab es jedoch auch erstaunlich viel Action während unseres Roadtrips durch das Outback Australiens. Da gab es Buschfeuer, Motorschaden, ungefähr 1749824738947 platte Reifen, einen leeren Tank meilenweit von der nächsten Tankstelle entfernt, beinahe tödliche Unfälle mit Roadtrains und das aller schlimmste, es gab Spinnen! Die giftigsten, größten und ekelerregendsten der Welt! Und ich mit der aller größten Spinnenphobie mitten drin. Schon nach zwei Tagen hatte ich das Verbot erteilt bekommen noch einmal das Wort „Spinne“ in den Mund zu nehmen. Tapfer verbrachte ich also drei lange Wochen eng zusammen mit meinen lieben achtbeinigen Freunden ohne auch nur einen einzigen Mucks von mir zu geben. Naja fast zumindest. (Als sich auf der Toilette plötzlich 3 Vogelspinnen an der Tür vor mir befanden, konnte ich wirklich nicht anders..)
 
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Eines Tages sahen wir auf der Landkarte einen großen See abseits des Highways. Da wir seit Tagen die Straße nicht verlassen hatten, waren wir natürlich ganz heiß darauf, auf den mit rotem Sand bedeckten Weg abzubiegen und zu dem See mitten ins Outback zu fahren. Was auf der Karte jedoch so nah aussah, entpuppte sich im Endeffekt als ein sehr langer, sehr staubiger Weg mitten ins Nichts. Doch tatsächlich,  nach gefühlten Stunden tauchte vor unseren Augen ein riesiger See auf. Wir waren sprachlos. Uns umgab eine gespenstisch mystische Stimmung. Nach tagelanger Wüstentour, purer Einsamkeit, fanden wir nun tatsächlich einen See abseits des Highways vor, der so unberührt und surreal wirkte als würden wir träumen. Es war als befänden wir uns auf einem anderen Planeten. Darum hätte es mich wirklich nicht im Mindesten verwundert, wenn gleich Einhörner um den See herum galoppiert wären und uns Elfen willkommen gehießen hätten. (Dieser Eindruck kann auch gut an der Hitze und der Einsamkeit in der Wüste liegen, die uns vielleicht zu diesem Zeitpunkt gerade leicht verrückt werden ließ.)
 
 
 
Plötzlich sah ich in der Richtung des Highways viel Rauch. Auch wenn Gilly erst meinte dies würde zur Landwirtschaft gehören, breitete sich die Rauchwolke sehr schnell auf gute 500m Breite aus. Unser Rückweg führte daher mit Vollspeed mitten durch die Flammen zurück zum Highway, wo uns später ein Polizist anhielt, um uns vor einem Buschfeuer zu warnen. Wie sollte der gute Mann auch wissen, dass wir genau aus diesem Buschfeuer gerade her kamen.
 
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Alice Springs und West MacDonnell Ranges

 
In Alice Springs, der Stadt mitten im Outback, angekommen sammelten wir zwei Freunde von mir aus Darwin ein und fuhren direkt weiter. Es gab zwar auch in Alice Springs viele Backpacker und man kann dort sicherlich auch eine gute Zeit verbringen, aber das Outback rufte, weshalb ich zu der kleinen Stadt inmitten des Kontinents nur wenig sagen kann.
 
Wieder zurück auf dem Highway im Outback, fuhren wir zunächst zu den West MacDonnell Ranges, wo ich meinen Geburtstag bei einem acht stündigen Walk in der traumhaftesten Natur verbrachte, ohne auch nur einen anderen Menschen außer unsere kleine Gruppe gesehen zu haben. Um die Wanderung zu beenden musste man allerdings an einer Felswand eines Sees entlang klettern. Da ich ein kleiner Feigling war, schwamm ich lieber gemeinsam mit den Wasserschlangen und Krokodilen durch den See.
Ich erlebte trotzdem noch meinen Geburtstag. Ohne Party. Ohne Alkohol. Ohne Exzesse. Dafür in vollkommener Eintracht mit der Natur.
 
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Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark

 
Der als Ayers Rock berühmte große Felsen mitten im Outback Australiens war für mich nicht weniger atemberaubend als ich es mir vor meiner Australien-Reise immer erträumt hatte. Da fährst du wochenlang durch eine verlassene Wüste, triffst keine Menschenseele und plötzlich taucht da aus dem Nichts ein gigantischer roter Berg vor deinen Augen auf. Zu sagen, dass ich überwältigt war, ist wahrhaftig maßlos untertrieben. 
 
Doch auch wenn die Energie des Ulurus enorm zu spüren war, konnte ich den Moment nicht richtig genießen, da ich von den Menschenmassen, die uns plötzlich umgaben, vollkommen überfordert war. Wochenlang habe ich höchstens ein paar Roadtrain-Fahrer sehen können und aufeinmal stehen da Reisebus an Reisebus ins Unendliche aneinander gereiht, voll von Touris, die ganz wild darauf waren loszustürmen und sich vor dem Berg fotografieren zu lassen. (Heute gibt es das Ganze sicherlich mit einer Horde Menschen im Selfie-Wahn)  
 
Viele von ihnen waren enttäuscht, sie hatten viel Geld für die Tour ausgegeben und verstanden nicht, was an diesem roten Felsbrocken so besonders sein solle. Einige ärgerten sich darüber, dass der Berg nicht mehr bestiegen werden dürfe. Wiederum andere verstanden nicht, warum sie manche Stellen nicht fotografieren dürfen. Aber eines taten sie alle, sie warteten am nächsten Morgen dichtgedrängt in der großen Menge auf den Sonnenaufgang, um dann schließlich Unmengen von Fotos des Ayers Rock machen zu können, für die sie schließlich diesen weiten Weg auf sich nahmen. Sie taten mir so leid.

Ich denke die Schönheit des Ulurus ist nur zu begreifen, wenn du selbst die Magie des Outback Australiens erleben konntest. Nach wochenlanger flacher Landschaft und der Auseinandersetzung mit der Einsamkeit in der Natur, ist ein 3,6 Kilometer langer und 350 Meter hoher Felsen mit all seinen Felsmalereien und Höhlen etwas anderes als bei einem kurzen Ausflug im überfüllten Reisebus.

Wer den Uluru wirklich erleben möchte, sollte daher meiner Meinung nach von einer überfüllten und überteuerten Tour absehen und vor allem aber unbedingt zuvor das Kulturzentrum in dem Nationalpark besuchen, wo einem jegliche Informationen zu der Geschichte des Felsen und der traditionellen Bewohner, der Anangu, geboten werden. Hier wird auch darauf hingewiesen, dass die Besucher den Uluru nicht fotografieren, sondern erleben sollen und erklärt, dass die Anangu sehr traurig sind, wenn Menschen beim Bergsteigen an ihrem heiligen Ort ihr Leben lassen.

Aus diesem Grund habe ich, obwohl ich sonst von jeder Kleinigkeit Fotos mache, den Uluru weder mit der Linse noch mit meinen eigenen Augen angeschaut, sondern schlicht und weg seine enorme Energie wahrgenommen. Auch wenn ich nun keine Erinnerungen auf meinem Computer anschauen kann, ist das Gefühl, das ich bei meinem Besuch damals empfand, auch heute immer noch so intensiv als sei es gestern gewesen. Es war das wohl größte spirituelle Erlebnis meines Lebens, ich werde es nie vergessen.

Unendliche Weiten, atemberaubende Sonnenuntergänge, unglaubliche Sternenhimmel, Unbekannte die zu deinen besten Freunden werden, wochenlange intensive Verbundenheit zur Natur, frei von jeglichen Problemen der Zivilisation, vollkommene Zufriedenheit, das und vieles mehr erwartet dich bei einem Roadtrip durch das Outback Australiens. Es war von all meinen Reisen meines Lebens die beste Erfahrung, die ich je gemacht habe, daher kann ich es jedem nur ans Herz legen, sich von den aufregenden Großstädten und den wunderschönen Stränden Australiens loszureißen  und einen Trip ins Outback zu starten. Wer das nicht gemacht hat, der hat meiner Meinung nach Australien verpasst. Das wahre Australien, den Ursprung, den wahrhaftig nichts übertrifft.

 

 
 
 
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1 Comment

  • Reply
    Sehnsucht nach Freiheit
    7. Januar 2015 at 21:06

    […] beste Moment meines Lebens, war immer noch jener im Outback Australiens. Als die ganze Menschheit mir so fern schien. Und ich ganz alleine war. Alleine mit dem Fremden und […]

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